Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233336
Das hohe Mittelalter. 
Italien. 
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keit und Anmuth des Ornamentes noch die römifchen Arbeiten übertreffen, 
wie die beiden prächtigen, um II75 gePtifteten Kanzeln im Dome zu Salerno. 
Die Erzeugniffe diefer Schulen beflehen neben den Fufsbodeximofaiken in 
Chorfchranken, Ciborien, Kanzeln, Altarleuchtern, ja fogar in ganzen Kreuz- 
ganganlagen von höchfter Zierlichkeit und Materialpracht, wie die in S. Paul 
vor den Mauern Roms, und das Eigenthümlichc der Werke liegt darin, dafs 
in ihnen alle plaftifchen Elemente, denen früher in folchen Schöpfungen eine 
Hauptrolle zuüel, verfchwunden lind, und dafs neben dem architektonifchen 
Gerüfte und feinen einfachen Gliederungen nur eine Flächendecoration in 
Marrnormofaik auftritt. Aufser der Materialpracht und ihrem Farbenreichthum 
liegt hier in der glücklichen Wiederaufnahme antiker Formen ein befonderer 
Reiz. Zeigen nun Unteritalien und das römifche Gebiet eine fo grofse Ver- 
wandtfchaft des Gefchmackes in diefem Kunftzweige, fo ift auch die Ueber- 
einftimmung beider Landfchaften in anderen künftlerifchen Leiftungen nicht 
mehr überrafchend. 
Rom 
und 
Mittelitalien. 
Seit dem I2. Jahrhundert wurde die KunPc der Mofaik auch in Rom wieder Mofaik. 
aufgenommen, wo fie lange geruht hatte, und drei grofse hervorragende m lahm 
Schöpfungen gehören zunächft diefem Zeitraume an: die Tribuna in S. Cle- 
mcnte, die Tribuna fammt der Fagadenmofaik in S. Maria in Traitevere, 
die Apfis in Santa Maria Nuova. 
Die Bafilika S. Clemente wurde unter Papß; Pafchalis II. (1099-1118) s. Clemcnte. 
auf erhöhtem Niveau über den Trümmern einer älteren und gröfseren Kirche 
aufgeführt, und eine Infchrift in der Apfis nennt den damaligen Cardinal von 
S. Clemente, Anaftafius, als Beginner- und Vollender der Mofaik 1). Am 
Scheitel des Bogens erfcheint das Bruftbild Chrifti zwifchen den Evangeliitcn- 
Symbolen, etwas tiefer thronen Paulus mit dem heiligen Laurentius und Petrus 
mit dem heiligen Clemens, den er auf das Bild des Heilandes hinweift. Das 
griechifche. Wort AGIOS, aber in lateinifcher Schrift, geht den Namen der 
beiden Apoftel vorher. Nach unten zu folgen die Propheten jefaias und 
Jeremias, dann die beiden Städte, von denen aus der Fries mit den Lämmern 
(erneuert) um die Apfis läuft. Der Gegenftand des Bildes in diefer ift an 
einer folchen Stelle völlig neu. Hier, WO fonft nur die triumphirende Kirche 
flch offenbarte, ift Chriitus am Kreuze dargeftellt, aber allerdings nicht in Ver- 
gegenwärtigung des realen Ereigniffes der Kreuzigung, fondern in feierlicher 
Glorification. Die Symbolik derfelben erklären Verfe des Inhalts, dafs die 
Kirche Chrifti dem Weinitocke gleich fei, den das Gefetz verdorren laffe, das 
Kreuz blühend mache. Aus einem Hügel mit Pflanzen wächft ein blaues 
Kreuz heraus, an deffen vier Armen zwölf Tauben angebracht find; der ge- 
'kreuzigte Heiland ift nackt mit vier Nägeln angeheftet, unter ihm Itehen 
Maria und Johannes. Dem Kreuzeshügel entftrömen die vier Paradiefesiiüffe, 
aus ihrem Waffer trinken Hirfche, dann folgen am untern Rande Enten, 
Pfauen, Hirten mit ihren Herden, ein Hühnerhof; im ganzen Obertheil der 
De Rossi  
cristiaui. 
IYIusaici
        

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