Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233322
326 
Buch. 
Zweites 
Periode. 
Vierter Ab fchnilt. 
dem bekleideten Chriiluskinde, von zwei verehrenden Engeln umgeben, unter 
ihr ftehen die Apoflel, durch den Erzengel Michael getrennt. Die Geberden 
lind feierlich und edel, aber die Köpfe mit ihren hohen Stirnen asketifch. In 
etwas fpäteren Arbeiten, wie in den Bildern der Grotte an der Kathedrale 
Groltozu des benachbarten Calvi und in denen der Kirche S. Sepolcro zu Barletta 1) 
 Sßtjißzbllblro. am adriatifchen Meere, die dem I2. oder fogar fchon dem I3. Jahrhundert 
Einem angehören, tritt der byzantinifche Charakter mehr zurück. 
Mofaik. Die Ueberbleibfel von Mofaiken in Unteritalien find unbedeutend. Ziemlich 
auf der Stufe der Bilder von S. Angelo in Formis fleht die Maria mit dem 
CnvuaKinde zwifchen den beiden Johannes im Dome zu Capua, hier bei einer 
neuen Reflauration angebracht, urfprünglich aber in der Benedictinerinnen- 
kirche S. Giovanni dafelbfl, einer Stiftung des Defiderius. Die ehemalige 
Infchrift nannte ihn fowie als Vollender feinen Nachfolger Oderifius (feit 1087). 
Bei fchlechter Erhaltung macht diefe Arbeit einen noch geringeren Eindruck. 
Salerno. Beffer ift ein Fragment in der Kathedrale von Salerno: der lehrende Mat- 
thäus in halber Figur mit offenem Buche und in goldenem Mantel in dem 
Tyrnpanon innen über der Eingangsthüre. Er gehörte noch der Zeit des 1077 
unter Robert Guiscard begonnenen, 1084 durch Gregor VII. geweihten 
Neubaues an,  Die ftark befchädigte, jetzt in Reftauration begriffene Mofaik 
der linken Nebenapfis ftammt erfl aus dem Schluffe diefer Periode. Sie wurde 
nach der Mitte des I3. Jahrhunderts durch Johann von Procida, den be- 
rühmten Arzt in Salerno  nGCIIIIIIB. Salernirr nennt ihn die Infchrift  An- 
hänger der Hohenftaufen und Urheber der Sicilianifchen Vesper, geftiftet. In 
der Höhe erfcheint mit ausgebreiteten Flügeln der Erzengel Michael, unter ihm, 
kleiner, fitzt Matthäus, vor welchem, winzig im Verhältnifs, der Stifter kniet, 
und den die Apoftel Johannes und iJacobus, die Heiligen Fortunatus und 
Laurentius umgeben 2). 
Marmor- Marmorarii ebenfogut wie Mofaiciften waren auf den Ruf des Abtes 
mbeltenDefiderius von Byzanz gekommen. Die Pflege, welche auch die rein deco- 
rative Fufsbodenmofaik unter ihm gefunden, war höchfl wahrfcheinlich der 
Grund, dafs nun auch das opus sectile marmoreum der Alten einen neuen 
Süditalien. Auffchwung in Unteritalien nahm und fo Treffliches hervorbrachte wie ein 
Jahrhundert fpäter die Fufsböden der Kathedrale von Salerno. Ja noch mehr: 
wir finden im I2, und I3. Jahrhundert eine blühende Schule decorativer Marmor- 
arbeit in dem gröfsten Theile des füdlichen Italien verbreitet und gleichzeitig 
eine ganz übereinftimmende Schule in Rom und Umgegend, wo damals die 
_Rom. Coszmzten thätig waren, fo genannt, weil unter den Künftlernamen in ihren 
Losmaten.   
Infchriften haufig der Name Cosmas vorkommt. Diefe waren Familien von 
Marmorarii, die oft durch Generationen fortarbeiteten. Vielfach geben fie auf 
den Infchriften Rom als ihre Heimath an. Ueber die Entftehung diefer Rich- 
tung in Rom ift uns nichts Näheres bekannt, aber die Gleichheit der Formen 
und der Technik fpricht dafür, dafs die Marmorarii in Rom und diejenigen 
in Unteritalien ihre Bildung aus derfelben Quelle geholt hatten, nur entftehen 
in Süditalien Werke, die an Praecifion des Machwerkes wie an Mannigfaltig- 
II, Lief. 
Taf. 22, 
Salazrzra, 
Salazaro, 
I3, I4. 
Sklzulz,
        

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