Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233314
Das hohe lklittelalter. 
Italien. 
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geflalten in den Zwickeln der Arcaden und darüber zwei Reihen erzählende 
Bilder aus dem Evangelium. Die ügurenreiche Kreuzigung zeigt die feiifizehenden 
Motive, Maria und Johannes, Sonne und Mond, den Mann mit der Lanze, 
klagende Frauen, Kriegsknechte, die Lofenden; Chriftus ifi; nackt, aber noch 
aufrecht mit vier Nägeln dargeftellt. Vielfach iit wirklich der Ausdruck des 
Schmerzes und der Erregung getroffen. In der Apiis thront Chriitus mit dem 
offenen Buche zwifchen den Evangeliiienfymbolen, unter ihm {tehen drei feier- 
liche Engel in ebenfolchen Prachtgewändern, jwie der Engel an der Front, 
feitwärts von ihnen St. Benedictus und der Abt Defiderius mit quadratem 
Nimbus und dem Kirchenmodell. 
Wendet man {ich um, fo erblickt man das wichtigfte Gemälde des ganzen 
Raumes: das koloffale Jüngfie Gericht an der Eingangswand, eine wohlge- 
gliederte Compofition (Fig. 96). Oben, zu den Seiten der  
Fenfier, erfcheinen Engel mit Pofaunen  und unter I I ,I I 
ihnen läuft ein fchmaler Fries mit auferftehenden Todten    
hin  Die Mitte der Wand nimmt der richtende Chrifius 2 2  
in der Mandorla ein; die Geberden feiner Hände {ind 4- 1,.  
diejenigen, die typifch bleiben, um auszudrücken, dafs er    
die Gerechten zu {ich ruft, die Verdammten von {ich 5 5  
weift  Seitwärts {ieht man Engel die {ich adorirend DTKEG  
vor ihm neigen  und unter diefen die fitzenden  fhQ 
Apofiel  Das Centrum des nachiten Streifens nehmen 9    H,  
drei Engel mit Schriftrollen ein, von denen der mittelfte    
die feinige grofsartig mit beiden Armen emporhebt    
beiderfeits {iehen die Seligen, unter denen man Bifchöfe, Fi 6 Eüniggcericht 
Fürften, Geiitliche erblickt  und ziehen die Verdamm- Säiggelo ä] Formis.  
ten erfchreckt von dannen  Den Abfchlufs, rechts 
und links von der Thüre, bilden der Garten des Paradiefes (9) und die Hölle 
 Satan ergreift die nackten, in den Höllenrachen geflürzten Verdammten, 
unter ihnen den Judas. 
Diefe Malereien {ind fchwerlich von Griechen ausgeführt, wohl aber von 
Künftlern, die von Byzantinern gelernt hatten. Die Beziehungen zu dicfen 
fprechen {ich nicht blofs in einzelnen griechifchen Infchriften, fondern noch 
mehr in der architektonifchen Strenge der Anordnung, der typifchen Auf- 
faffung beftimmter Scenen, den Coftümen, den Motiven der Bewegung aus. 
Dennoch ift die Zeichnung gewöhnlich, das Nackte roh, die Malerei ziemlich 
derb und bei grünlicher Unterlage der Fleifchtöne und harten Gegenfätzen in 
den Gewändern unharmonifch. Die italienifchen Schüler der Griechen konnten 
die einheimifche Roheit nicht {o fchnell loswerden, aber auch die Byzantiner 
felbft {landen nicht mehr auf der Höhe, wie zu Theophano's Zeit, als die 
deutfche Kunft von ihnen berührt wurde, fondern übten eine fchon eritarrte 
Kunft nur noch technifch gefchickt aber mechanifch aus. 
Die Bilder zu S. Angelo in formis {tehen in Unteritalien nicht vereinzelt 
da. Am nächften kommen" ihnen die in der gleichzeitigen Kirche S. Marias. lMQYlElQ 
la Libera zu Foro Claudio bei Seffa 1). In der Apfis thront Maria mit Llbem 
Salazzzra, I,
        

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