Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233300
324 
Buch. 
Zweites 
Periode. 
Vierter Abfchnitt. 
Der grofse Abt, aus dem edlen Stamme der Fürflen von Benevent entfproffen, 
ftellte nicht nur Zucht und Ordnung in feinem Klofter wieder her, fondern 
pflegte auch die Studien und war vor allem auch auf den künftlerifchen Glanz 
der Abtei bedacht. Als er in diefem Sinne in den Jahren 1066-4071 den 
Neubau der Kirche und des Klofters durchführte, fuchte er überall die beften 
Quellen auf, die ihm Material und Kräfte liefern konnten. In Rom wufste er 
durch feine perfönliche Gegenwart, feine Beziehungen und feine Geldmittel 
Säulen und andere Architekturtheile in farbigem Marmor, offenbar von antiken 
Gebäuden, zu erlangen. Anderes aber befchaffte er in uder königlichen Städter 
Conftantinopel, wohin er eigens einen Bruder mit einem Empfehlungsbriefe 
an den Kaifer und mit ausreichenden Mitteln fendete. Wie er einft die 
ehernen Thüren, noch ehe er an den Neubau dachte, dort hatte machen laffen, 
fo liefs er nun einen goldenen Altarauffatz mit Edelfleinen und Email, eherne 
Balken mit Candelabern und Hängelampen, Chorfchranken aus Erz, grofse 
Silberkreuze mit getriebener Arbeit und fonfl noch mancherlei Kirchengeräth 
bgiäftgzä dafelbfl anfertigen. Für die Mofaikbilder und die Marmormofaiken der Fufs- 
luoäfääerh böden mufste er aber byzantinifche Künfller in Dienft nehmen, welche dann 
ihre Arbeiten in Monte Cafmo felbfl ausführten. Er that dies, wie fein 
Biograph fagt, weil Rom, die nmagistra Latinitasu, im Verftändnifs diefer 
Künfte feit fünfhundert Jahren und länger nachgelaffen 1), und er forgtei zu- 
gleich dafür, dafs fie in Italien nicht noch mehr herabkämen, indem er zahl- 
reiche junge Leute im Klofter nicht nur in diefen Techniken, fondern auch 
in der Goldfchmiedekunft, der Metalltechnik aller Art, der Arbeit in Glas, 
dem Modelliren, der Elfenbein- und Holzfchnitzerei wie in der Steinplaflik unter- 
richten liefs, wobei er vom beflen Erfolge begleitet wurde. 
Der Neubau im Barockflil hat in Monte Cafino felbft aus der Zeit des 
Defiderius nichts als jene Thüren übrig gelaffen. In ornamentaler Marmor- 
mofaik war einfl der Fufsboden der Kirche und vieler Nebenräume ausgeführt, 
von der bemalten Holzdecke flrahlten bildliche Darflellungen, Apfis und Haupt- 
bogen enthielten mufivifche Bilder, ebenfolche fchmückten den Obertheil des 
Veftibuls und der Faqade, während unter ihnen da wie dort Malereien aus 
dem Alten Teftamente angebracht waren, und auch das Refectorium mit 
Wandbildern gefchmückt war.  
Einen kleinen Erfatz für das Verlorene müffen uns die Wandmalereien 
s. Angele der von Deflderius geflifteten und im Jahre 1075 geweihten Kirche S. Angelo 
m Forum in F0 rmis bei Capua 2) gewähren. In der Vorhalle, über dem Hauptportale, 
ift in dem halbkreisförmigen Tympanon der Erzengel Michael in halber Figur, 
ganz von vorn, in reicher byzantinifcher Hoftracht zu fehen, über ihm die 
Wandbilder. betende Maria in einem Runde, das zwei Engel halten, während die Wand- 
bilder feitwärts der Legende der Eremiten Paulus und Antonius gewidmet 
flnd. Im Inneren find die Malereienwder Seitenfchiffe, aus dem Alten Tefta- 
mente, bis auf wenige Refle zerflört, das Mittelfchiff enthält zunächfl Propheten- 
I) nEt quoniam artium ifiarum ingeniuln a quingentis et ultra iam annis magistra Latinitas 
intermiseratß cap. 27. Richtige Auffaffmmg des Wortlautes feftgefiellt von Rumahr, Ital. Forfchulugen 
I, S. 287. Der Ausdruck intermisemt bezeichnet Vernachläffigung, nicht gänzliches Aufhören der 
Technik, und der angegebene Zeitpunkt ift für den Anfang des italienifchen Kunftverfalles bezeichnend. 
2) 51172112, II, S. 170, Taf. 70 f; SVzInzrzrn, I, Taf. 7 u. 9. 
        

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