Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230201
Erlles Kap 
überhaupt fehlt, fo heben die einzelnen Geltalten fich von dem farbigen Wand- 
grunde ab, der an den Sockeln der Wände, an denen Blumen fpriefsen, wie 
in Pompeji, in der Regel dunkel, an den Haupttheilen der Wände öfter 
leuchtend hell-farbig ift. Diefer farbige Wandgrund beherrfcht natürlich den 
architektonifch-decorativen Gefammteindruck und wirkt infofern einigend 
und beruhigend, in Bezug auf die einzelne Darfiellung jedoch wirkt er der 
malerifchen Einheit derfelben ebenfo natürlich entgegen, Wirkt er Limgckehrt 
auilöfend und zerltreuend. Und die Färbung der einzelnen Gegenftände erhöht 
diefen Eindruck. Von einem Colorit kann hier, wo die malerifche Einheit 
von vornherein ausgefchloffen iPc, überhaupt nicht die Rede fein, fondern nur 
von einem Coloriren. Ja, da alle Licht- und Schattenwirkungen und alle 
Modellirungen fehlen, kann kaum von einem Coloriren gefprochen werden, 
fondern nur von einem Anmalen, fafi möchte man fagen "Anftreichen" der 
einzelnen Gegenftände. Diefer Anftrich erfolgt, fo weit die Beobachtung und 
das Farbenmaterial der Aegypter reichten, in annähernden Naturfarben. Die 
Aegypter geben ihren eigenen männlichen Geftalten eine rothbraune Farbe, 
wie den Pferden, die Frauen werden dagegen fchon in den ältefien Darftel- 
lungen gelb, in anderen wenigftens heller braun gemalt, die Neger werden 
fchwarz, die Afiaten gelb angeftrichen; ja es kommt einmal ein weifser, blau- 
äugiger, gelbhaariger Menfchenfchlag vor. Die bunten Stoffe, mit denen die 
Völker bekleidet, find hübfch und mannigfaltig gemuftert; häufig lind fie fo 
dünn, dafs fie durchfichtig find, und in diefen Fällen kommen vielleicht die 
einzigen Verfuche einer annähernd malerifchen Farbenwirkung vor, indem die 
Körperfarbe, wo fie durch ein helles Gewand hindurchfcheint in's Weifsliche 
gebrochen wird oder in einer anderen, helleren Farbe erfcheint Im Uebrigen 
ift die Farbenfcala der Aegypter eine zu befchränkte, der Farbfioffe, die f1e 
kannten, waren offenbar zu wenige, um eine mehr als annähernde Naturfärbung 
zu ermöglichen. 
Symbolifche In einigen Fällen wich man aber nicht aus Mangel an Farbenmaterial, 
Farben" fondern aus befonderen Rückfichten von der Naturfarbe ab, befonders bei 
den Darftellungen von Gottheiten. Um das Uebernatürliche darzuftellen, griff 
man, bizarr genug, zum Unnatürlichen, fodafs die ägyptifchen Gottheiten 
nicht nur mit Thierköpfen ausgezeichnet find, fondern auch in gelben, grünen, 
rothen und blauen Farben prangen. Eine tieffinnige Farbenfymbolik mag 
hier zu Grunde liegen; doch entzieht fich diefelbe jedenfalls unferer Nach- 
emp-findung: 
Dafs eine Farbenperfpective in der ägyptifchen Kunft unmöglich ift, folgt 
eigentlich fchon aus dem über die mangelnde Perfpective überhaupt, fowie 
aus dem über die geringe Anzahl von Farbenabftufungen Gefagten. Arbeitet 
fo alfo auch die ganze Farbengebung der Durchbildung eines wirklich male- 
rifchen Princips in der ägyptifchen Malerei entgegen, fo werden die einzelnen 
Dinge doch auch durch fie klarer von einander abgehoben und in conven- 
tionell-typifcher Weife charakterifirt, fo dafs in der That Zeichnung und 
Färbung hier vollftändig Hand in Hand gehen und nach demfelben Principe 
fich geftalten. 
1212122223? Dafs ein freier, echt künftlerifcher Eindruck auf diefe Weife nicht erzeugt 
nfäffffi werden kann, liegt in der Natur der Sache; und dem entfprechend haben wir
        

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