Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233165
310 
Zweites 
Perk 
Dritter 
Abfclmitl. 
Allgbblllgk älter. Fünf fclinialc Oberfenfter im Dome zu Augsburg werden durch Bilder 
gefüllt, die in ihrem Charakter etwa der Mitte des 11. Jahrhunderts entfprechen 
und alfo wohl um das Jahriioög cntftanden fein mögen, in welchem eine 
Weihe der Kirche unter Bifchof Embrico fiattfand. Diefelben enthalten in 
ihrer ganzen Ausdehnung, ohne jede ornamentale Zuthat und ohne farbigen 
Grund, fünf altteftamentarifche Figuren, ganz von vorn gefehen, in ilrenger 
Symmetrie, mit vollem Ovale, gerader Nafe und kleinem Munde, grofsen, 
plumpen Händen und einem hügeligen Fufsboden in Form ftiliiirten Blatt- 
werkes (Fig. 92) 1). Einen verwandten Stil bei nur wenig 
Q   fpäterem Urfprunge lernt man in der ebenfalls aus dem I1. 
  v. Jahrhundert herrühreen Sebaftianskapelle hinter der St. 
Ncluvcilcr. Q    Peter- und Paulskirche zu Neuweiler im Elfafs kennen. 
"h j,   In einem kleinen Fenfter mit halbkreisförniigem Sehluffe ftelit 
 Ä der Märtyrer St. Timotheus, ganz von vorn gefeheii, in 
 blauem Gewande und grünem Mantel, auf rotheni Grunde, 
 mit feltfam behandeltem, kleingeloektem IrIaar, die linke Hand 
 mit der Geberde der Feier erhoben, von einfacher Blattwerk- 
   Umrahmung umfchloffen 2). 
lliiilgllllxi-  In Frankreich weift die Kathedrale zu Le Maus, 
iß Maus. 5;  ff deren romaiiifcher Bau gegen 1093 unter Bifchof lloel vollen- 
 det wurde und bei einer Feuersbrunft im Jahre 1136 nach 
F?  älteren Nachrichten feine Glasfenfter einbüfste, doch noch 
lggiffzj-Ji" ein Ueberbleibfel aus jener Periode auf, das jetzt einem 
     fpäteren Feniier in der gothifchen Marienkapelle am Chor- 
 fchluffe eingefügt ift. Die Compofition {teilte offenbar einil 
  die Himmelfahrt Chriiii dar; jetzt fieht man nur noch die 
   zwölf Apofiiel in zwei Reihen und in der Mitte der unteren 
   die gekrönte Maria. Die Geftalten, die den damaligen fran- 
  zöfifchen Miniaturen entfprechen, ftehen auf hügeligem Boden 
 aufwärts blickend, mit gereckten Armen, in hailiger, fall 
a   gezierter Bewegtheit. An den Gewändern find die durch- 
  i_f 7 bog gehenden farbigen Horizontalflreifen und die Enge an den 
Egs 1 Knieeni merkwürdig. Im Hintergründe wechfeln blaue und 
  rothe Streifen, die Bordüre wird oben durch Blattwerk, unten 
x Tfig-fäl- David; durch gelbe Nägelchen auf fchwärzlichen Feldern gebildet 3). 
l tigsbuigerDom. lNach    
l2.plliägtfll;l: Herbergen aus Buchen  Die Glasmalereien aus dem I2.Jahrhundert find in Frank- 
Aggj:  reich bereits häufiger. Die Kathedrale von Angers befitzt 
 noch vier Fenfter aus der Leit des Bifchofs Ulger (1125-1149) mit Scenen 
aus den Legenden der Jungfrau Maria und der Heiligen Katharina, Vincentius 
und Laurentius, in kleinen Medaillons auf blauem Grunde mit breiter Bordüre. 
Salm-Doms. Noch wichtiger find die Glasbilder in der Abteikirche zu Saint-Denis. 
Der berühmte Abt Suger (geb. 1081. geft. 1151) hatte die Kirche in ihrem 
V01 
I) Th. ffcrääßgrrv; Die älteflen Glasgelniilde im Dom zu Augsburg. 1860, 5 'l'afcln, 4". Vuz 
zu frühe, von Magier, Sclznmzfc u. a. zu fpiit datirt. 
2) Lrzxlzyrie, Tafel zur nolicc supplöznelmtaire, S. 311. 
3) AufsEr Lasleyrie vgl. Eugäne Hacker, Vitraux peints de 1a cathödralc du Maus, lJaris 
fol. und den Brief Parkefs, auch mil_Abbildung, Archaeologia, V01. XXXIII, S. 359. 
18651
        

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