Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233056
hohe Mittelalter. 
Das 
Biofaik, textile Kunß. 
XVzmd- 
u n d 
Tafelmalcrei. 
299 
In der Dorfkirche zu Methler bei Dortmund haben fich die Malereien llIellxlcr. 
im Chore und an den Seitenfchiffwänden erhalten, wohl aus dem Anfange des 
I3. Jahrhunderts. Die Behandlung derfelben ift derber, aber manche hochpa- 
thetifche Motive, wie bei der Verkündigung Mariais, die charaktervolle Energie 
der Apoftelgeitalten und überhaupt das kräftige Ringen nach Ausdruck lind 
bedeutend 1). Mehr des Inhaltes, der Anfpielung auf ein gefchichtliches Er- 
eignifs, als des Kunflwerthes wegen verdient ein Bild im weltlichen Querhaufc 
des Domes in Münfter Beachtung: Friefifche Landleute nahen mit ihren Mimnur. 
Gaben dem Patrone des Domes, St. Paul, was ihre Unterwerfung unter die  
bifchöfliche Landeshoheit bedeutet 2). 
Im öftlichen Sachfen lind die umfaffenden Malereien in der Liebfrauen- 
kirche zu Halberftadt hervorzuheben, leider gröfstentheils übermalt. Ab- Halberfiadt. 
gefehen von einigen kaum mehr kenntlichen Reiten im Chore, gehören hier 
dem Ende des 12. Jahrhunderts nur die Heiligengeilalten in der alten Barbara- 
capelle an, während die Hauptbilder, die kühnen Prophetengeftalten zwifchen 
den Oberfenftern des Mittelfchiffes und des Langchores, die Heiligenfiguren 
in der Apfis, die Gewölbemalereien im Querhaus und Chor erit in der Zeit 
des Gewölbebaues (1270-1284) entftanden find 3). 
Nur um weniges früher kann das Gewölbebild in der Aplis der Neu- 
wcrker Kirche zu Goslar, die Madonna mit dem Kinde in der Mandorla 00:11-1- 
zwifchen Engeln und Heiligen 4), entftanden fein. Ebenfalls dem Anfange des 
13. Jahrhunderts gehört endlich einer der gröfsten und wichtigften Bildercyklen, 
welche Deutfchland überhaupt befitzt, der im Querhaufe und Chore des Domes 
zu B raunfchweig, an 5). Leider ift das Ganze durch eine viel zu weit gehende rläfljvuäilg_ 
Herftellung getrübt"), aber man empfängt immer noch den Eindruck einer 
zufammenhängenden Wand- und Gewölbe-Decoration, wie fie felten wieder 
vorkommt. Nicht erhalten ift die Malerei der Apfis, deren Halbkuppel einfl 
ohne Zweifel den thronenden Erlöfer enthielt. Das Kreuzgewölbe des Chor- 
quadrates iii: mit dem Stammbaume Chrifti gefüllt. Die fpitzen Schildbögen 
der Nord- und Südwand enthalten zwei Reihen Bilder, dort die Gefchichte 
von Abel und Kain, hier Abraham und die drei Engel, Abraham's Opfer, 
Mofes vor dem Dornbufche, die Aufrichtung der ehernen Schlange," alfo alt- 
teftamentarifche Sinnbilder vom Opfertode Chrifli. Drei untere Reihen fmd 
mit anfchaulichen, breit erzählenden Darftellungen aus den Legenden Johannes 
des Täufers und des heiligen Blafius gefüllt. Beide Heilige ftehen dann in 
grofsen Figuren am Triumphbogen gegen die Vierung, der dann oben nach 
dem Chore zu noch den Sündenfall in halben Figuren enthält.  
Am Scheitel der Vierung (Fig. 88) bildet das Lamm Gottes den Mittel- 
punkt  umgeben von fechs Scenen aus dem Evangelium: Chrifti Geburt 
und DarPcellung im Tempel (2, 3), den Marien am Grabe  dem Gang nach 
1) L-übke a. a. O. Taf. 30. 
2) Abgebildet bei E. Föaßer, Denkmale, VII. 
3) Proben bei Qzmß u. Otle, Zeitfchrift, II. 'l"af. I2.  E Fözjler, Denkmale, I. 
4) Mittlzof, Archiv für Niederfachfelms Kunfigefchichle, Band III, fol. 
5) Probe bei Gailluzlznlzzzf, Uarchitecture et Ies arts qui en döpelmdexmt, II, Taf. 69, 
6) Im nördlichen Querhausarme fogar moderne Malereien von äufserßer Stillofngkeit.
        

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