Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232811
hohe Mittelalter. 
Das 
Die Miniaturmalerei. 
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buch für den Unterricht der weiblichen jugend im Kloiter. Ob und wie weit 
die Verfafferin Hrrrad an der Illumination theil hatte, ift nicht fefizuftellen; 
wenn nicht ihrer Hand, fo war diefelbe doch ihrer Anweifung und Vorfchrift 
zu danken. Hier kamen grofsartige repräfentirende Darftellungen in monu- 
mentalem Stile vor, wie die Philofophie im Kranze der freien Künfle, erzäh- 
lende Bilder aus dem alten Teftamente, den Evangelien und der Apoitelge- 
fchichte, grofsartige Schilderungen der letzten Dinge, Allegorien wie die  
Kämpfe zwifchen Tugenden und Laitern und die Himmelsleiter, auf der alle 
Emporklimmendexi durch Verfuchungen zu Falle kommen, und nur die chrift- 
liche Liebe zum Ziele gelangt. Motive aus dem Alterthume kamen gelegent- 
lich noch vor, wie Ulyffes mit den Sirenen als Sinnbild der Verfuchung; 
ebenfo die alten Perfonificationen, wie Sonne und Mond als Gottheiten auf 
ihrem Wagen oder wie die Kirche und die Synagoge bei der Kreuzigung, 
diesmal beide beritten, jene auf einem Thiere mit vier Köpfen, den Sinnbildern 
der Evangelifien, diefe auf einem Efel_ 1) Das Werk bildete eine unerfchöpf- 
liche Fundgrube für die mannigfaltigiien Gegenftände, die damals im Bereiche 
des Bewufstfeins lagen. Diefelben waren keine neuen Erfindungen, vielmehr 
in der Tradition der abendländifchen wie der byzantinifchen Kunit längft feft- 
geftellt, aber die Naivetät und Frifche der Behandlung waren in diefem Codex 
befonders anziehend. Tracht, Sitte und Lebensweife der Zeit traten in Kriegs- 
bildern, Tafelfcenen und fonii: zu Tage. Bei der Ausführlichkeit der Erzäh-  
lung fand fich öfter Raum für lebendige Motive aus dem alltäglichen Leben, 
unter denen die originelle Gruppe des Marionettenfpieles zu der Stelle ualles 
ifi eitel): hervorzuheben ift. Die Behandlung war nur eine dilettantifche bei 
keineswegs fehlerfreier Zeichnung und lebhafter aber nicht allzu feiner Colo- 
rirung in Deckfarben. Aber trotz ausdruckslofer Köpfe, unficherer Gewand- 
behandlung und manchmal ungefchickter Bewegungen erhob fich oft die Dar-  
Prellung zu höherem Schwung wie bei der einherfprengenden Superbia (Fig. 76). 
Phantaiie und künftlerifche Intentionen kündigten hch überall an. 
Zu den beiten Leiitungen der gleichen Zeit gehört ein Evangeliftarium Evr-gäliila- 
aus Bruchfal mit 17 Bildern in der Bibliothek zu Karlsruhe. Eigenthümlich ausßiuchfal. 
ift die Verkündigung, bei der Maria fpinnend dafitzt und {ich nach rückwärts 
Zu dem. nahenden Engel umwendet (Fig. 77). Grofsartig iPc Ezechiels Vifion 
Vom Einzug des Herrn durch das Oitthor. Bei dem Gekreuzigten ift auch 
hier das üark Ausgebogene des Körpers bemerkbar, das vermuthlich von  
der byzantinifchen Darftellung herübergenommen wurde. Beim Abendmahle 
ift aus perfpectivifcher Unfähigkeit Judas, der den Biffen empfängt, auf dem 
Tifche felbft, kleiner und faft fchwebend, angebracht. Die Maria und der 
Engel am Grabe zeigen daffelbe ältere und edle Compoiitionsrnotiv, das wir 
bei dem Soefter Tafelbilde finden werden Die Geßalten {ind plaitifch bei 
edler Geberdenfprache, die Köpfe typifch, gegen unten breit, die Behandlung 
IP: meift fein und forgfaltig, im Faltenwurf mitunter fchon fafi: zu zierlich, die 
kräftig vorgetragene Färbung ift nicht fehr lebhaft, Gold und Grün eine Farbe, 
für welche die deutfche Malerei des Mittelalters befondere Vorliebe hegt, domi- 
niren. Ebenda werden ein Lectionarium und ein Pfalterium aus St. Peter im 
Abb. 
bei 
de Bourges, Paris 1841- 
189" 
de 1a cathädrale 
Calzier u. Martin, monographie 
F01.
        

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