Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232733
Das 
hohe Mittelalter. 
Die Miniaturmalerei. 
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terlineargloffe haben oft zugleich eine kunflgefchichtliche Bedeutung, die der 
fprachlichen nicht naehfteht. T) 
Ihr Schmuck belteht meift aus blofser Federzeichnung in Schwarz, oder Technik und 
auch in Roth, Blau, Violett, gelegentlich mit fchwacher Schattirung durch den S'il" 
Pinfel, bei kritzlicher und unficherer Behandlung. Die langgezogenen Figuren 
mit mageren Gliedern, ausdruckslofen Köpfen, wild flatternden, an den Säumen 
unruhig gekräufelten Gewändern find oft übertrieben bewegt, aber bei aller 
Roheit des Vortrages ift denn doch die Fülle lebendiger Motive und glück- 
licher Einfälle in den oft figurenreichen Compofitionen beaehtenswerth. Bei-  
fpiele gewährt der jüngere Theil eines auch karolingifche Beltandtheile ent- Denkmäler. 
haltenden Miffale des Bifehofs Leofricß) die Pfychomachia des Prudentius 3) 
mit merkwürdigen Darftellungen der Kämpfe zwifchen Tugenden und Laftern 
und fcltfainer Angabe des Terrains, halb wellenartig, halb wie Akanthusblatt- 
Werk; ein Aratus des British Mufeum4) mit leichter Colorirung der perfoniii- 
Cirten Sternbilder; das Pontiücale eines Erzbifchofs von Canterbury in Paris. 5) 
Durch die Fülle der Zeichnungen find namentlich ein Pfalter des British Mu- 
seurn Ü) und die metrifche Paraphrafe der Genelis von dem Mönche Caedmon i) Cacmnou-r 
bemerkenswerth. In letzterer ift die Barbarei der Behandlung befonders aul- Gemäß" 
fällig, während zugleich die Anfchaulichkeit und die Phantafie unfer Intereffe  
Wecken, mit der hier die Schöpfung der Welt, der Aufruhr und die Bezwingung 
Satans, die Verführung des Menfchen und der Verluft des Paradiefes darge- 
ftellt find 
In einigen anderen Handfchriften kommt zu figürlichen Zeichnungen Reichere_ 
gleichen Charakters eine reiche Ornamentikder Ränder und Initialen mit Omamcnuk" 
Pcärkerer Anwendung glücklich flilifirten Blattwerkes, wie in des Bifchofs Ald- 
helm von Sherburn Schrift de virginitate in Larnbeth Houfe bei Londong) 
und im vHarleian Pfalteru des British Museum. 9) Hierin zeigt Geh eine ge- 
wiffe Nachwirkung des karolingifchen Gefchmackes. 
Noch deutlicher tritt folche, Wie das bei den nahen Beziehungen des eng- Schule von 
lifchen Königshaufes mit dem fränkifchen Reiche erklärlich ifi, in einer kleinen Wmchenen 
Zahl anderer Codiees hervor. Das im Jahre 966 gefchriebene Privilegium König 
Eadgars für New MinPcer zu Wincheßerlo) zeigt nicht nur in der Schrift die 
karolingifche Minuskel {latt der angelfächiifehen Charaktere, fondern auch in 
I) Faft alle von uns erwähnten Denkmäler bei Vllästwnod, Fac-Similes etc. 
2) Oxford, Bodleian Library, 579; zwifchen 959 und 979 entflanden. 
3) Brit. Mus., Ankauf von X861. 
4) Cotlon, Tiberius Bd. 5. 
S) Bibl. nat. 121i. 943.  Enthält F01. 7. das Privileg, das Erzbifchof Dunflan, alfo der heilige 
Dunflan (T 988) von Papft Johann empfangen. Aber unverfländlich ift die hierauf folgende Notiz, 
dafs es i1n I 2. ]a.hre des Papfles Johann gefchrieben worden. Kein Papfl diefes Namens in de!" Zweiten 
Hälfte des I0. Jahrhunderts regierte fo lange. 
6) Cotton, Tiberius C. VI. 
7) Oxford, Bodlcian Library, Jnnius XI. Vollfläxldige Publication der Zeichnungen in der Arehaeo- 
10giu or miscellaneous tracts relating to antiqudty, Published by the society of antiquarians. B. XXIV, 
London 1832, S. 329, mit Text von flemjy Ellis. 
8) Erzbifehöfliche Bibl. N0. 200. 
9) Ilarleian 2904. 
I0) British Museum, Cotton, Vespasian A VIII.
        

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