Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232657
Das hohe 
Mittelalter. 
Miniaturmalerei. 
Die 
259 
Bildllächen unterbrochen wird. Antikes Blattwerk, breite Infchriftltreifen mit 
erklärenden leoninifchen Verfen, geometrifch verzierte Ränder bilden die Um- 
rahmungen, zwilchen denen ltililirte Löwen, Greife und Aehnliches, in anderen 
Fällen Gebäude als Füllungen vorkommen. Die Figuren find in den Pro- 
portionen glücklich, nur oft mit zu grofsen Händen, und dem Flächenltil ent- 
fprechend wenig modellirt und fchattirt. Die Farben, gleichmäfsig und folid 
aufgetragen, lind zu der Fülle von Gold in den Hintergründen und Rahmen 
harmonifch geltinlmt. 
Das erlte Blatt enthält die Hand Gottes im Dreieck, in Nebenabtheilungen 
vier ruhende, gekrönte Frauengeltalten, in den Ecken des Rahmens die Cardi- 
naltugenden mit ihren bekannten Attributen. Auf dem zweiten Blatte thront 
die Madonna mit dem bekleideten Kinde in dem runden Mittelfchilde, unter 
welchem die. Aebtiffin des Klolters, das Buch darbringend, erlcheint. Nach 
ihrem Monogramm ill es Uota, eine Zeitgenolfin Heinrichs 11., die fechlle 
Aebtiffin des 960 geltifteten Kloflers. 1) In vier Medaillons und vier quadraten 
Eckfeldern erfcheinen allegorifche Halbliguren, vielleicht wieder Tugenden, 
zum Theil gekrönt oder mit Schriftbändern. Noch merkwürdiger ilt das dritte 
Blatt: der Heiland am Kreuze, im Purpurkleide und mit priellerlicher Stola, 
eine Krone auf dem Haupte, alfo im Leiden triumphirend; bärtig, obwohl er 
fpäterhin in kleineren biblifchen Bildern deffelben Buches noch unbärtig er- 
fcheint; die Füfse einzeln an ein grofses Fufsbrett genagelt. Unter dem Kreuze 
liehen zwei Geltalten, eine gekrönte Frau, das Leben, aufwärts fchauend, mit 
erhobenen Händen, und der Tod mit verbundenem Munde und zerbrochenen 
Waffen, Sichel und Speer, eine klaffende Wunde in der Schulter, eben zu- 
fammenltürzend. In zwei Halbrunden am Rahmen erlcheinen das entweiehende 
Gefetz mit Schriftrolle und Opfermeffer und die Gnade, auf deren Krone flCh 
der Kelch erhebt. Die fpäterhin häufige, gerade bei der Kreuzigung vor- 
kommende Gegenüberltelhlng der Kirche und der Synagoge ili: alfo auch hier 
fehon vorhanden, nur verdoppelt. In den Ecken des Rahmens oben Sonne 
und Mond, unten der zerriffene Tempelvorhang und die fich öffnenden Gräber 
(Fig. 71). Auf dem nächllen Bilde hat nur der Rahmen diefelbe Anordnung 
wie fonlt, während lie innerhalb deffelben dadurch aufgegeben ilt, dafs die 
Compofition mehr Raum beanfprucht, Hier lteht der Gründer des Klolters, 
Bifchof St. Erhard von Regensburg, mit einem Geiftlichen am Altar unter einem 
in kindlicher Perfpective gezeichneten Ciborium. Rein ornamental lind wieder 
die Evangelillenbilder gehalten; über dem Runde, das fie umfchliefsf, ift in 
einer befonderen Abtheilung ihr Symbol, unter ihnen ein Paradiefesllufs an- 
gebracht, während die Ecken des Rahmens kleine biblifche Darltellungen ent- 
halten. Auch die Seiten mit den prächtigen Initialen fmd mit folchen Rahmen 
verfehen. An Präcilion des Machwerks und gefchmackvoller Durchbildung des 
einmal angenommenen Stiles gehört dies Denkmal zu den koltbarflen der 
Epoche. 
Ihren Abfchlufs l-indet diefe Richtung in einigen Codices auS der erflän 
AI) Aeltefles Necrologimn aus Niedermünfter, vom Anfang des I3. Jahrhunderts, im Münchener 
Reichsarchive (Vgl. Hzrisius, hißor. Nachrichten von den RegenSb. Klößem, S- T78); Nßül V0" DT- 
C. Th. IIeigel in München.  
1795
        

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