Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232596
Das hohe Mittelalter. 
Die Miniaturmalerei. 
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der des Herrn, vor Lucas Chrifti Gleichniffe, vor Johannes fein Leiden und 
feine Auferfiehung behandeln. Auch in den zwei anderen Büchern, deren Com- 
pofitionen meift gröfser iind, ift die Auswahl der Momente eine ähnliche, ja 
die Motive ftimmen nahezu überein. Auch in ikonographifcher Hinficht iPt aber, 
trotz häufiger Uebereinfiimmung der Auffaffung mit den Befchreibungen im 
Malerbuche vom Berge Athos, ein neuer byzantinifcher Einfiufs kaum nach- 
zuweifen, denn eine ähnliche Auswahl und Auffaffung der Scenen war fchon 
in der Karolingerzeit getroffen worden, etwa im Aachener Evangeliarium 
Lothars, und ihre confequente F efiftellung ift jetzt in erfier Linie der ftrenge- 
ren theologifchen Zeitrichtung zu danken. 
Um das Ikonographifche, foweit es in den Kreis unferer Darftellung 
fällt, hier ein für allemal im. Zufammenhange zu berückfichtigen, wollen wir 
die evangelifche Bilderreihe diefer drei Codices durchnehmen 1). Den Anfang 
macht die Verkündigung Marias (G. M.  der die Vermählung mit Jofeph  
 oder noch häufiger fogleich die Heimfuchung (G. T.) folgt. Dann kann 
der Traum des Jofeph  dargeftellt fein. Bei Chrifli Geburt (G. M. T.) liegt 
Maria als WVöchnerin auf dem Lager, in ihrer Nähe, unverhältnifsmäfsig grofs, 
in Windeln gewickelt, das Kind. jofephs Nachdenklichkeit bei diefem Ereignifs 
wird oft durch feine Geberde deutlich ausgedrückt  Meift deuten Gebäude 
die Stadt Bethlehem an, und Ochs und Efel fchauen aus dem Stalle heraus; 
die Verkündigung der Hirten ift ftets mit diefer Scene combinirt. Die An- 
betung der Könige (G. M. T.) findet unter einem Prachtgebäude fiatt; fie 
tragen Stiefeln und kurze Tunica, aber gewöhnlich Kronen, nicht mehr phry- 
gifche Mützen. Daneben kann noch ihr Spähen nach dem Sterne  oder 
ihr Traum und Wegritt (G) zu fehen fein. Mitunter folgt die Darßellung im 
Tempel (G.  der Traum des jofeph und die Flucht nach Aegypten  Bei 
dem Kindermorde (G. M. T.) ift ftets der thronende Herodes dargeftellt, der den 
Befehl dazu gibt. Bot diefe Scene auf der damaligen Kunftfiufe auch befon- 
dere Schwierigkeiten durch die Lebhaftigkeit der Action, wurden viele Ge- 
berden verzerrt, geriethen die nackten Kinder oft ungefchlacht, fo zeigen (ich 
doch gerade hier manche Motive ergreifender Trauer in einigen halbnackten 
verzweifelten Frauengefialten (M.  Auf den lehrenden Knaben im Tempel 
(M. T.) folgt die Taufe des Herrn (G. M.  bei welcher die Wellen des 
Fluffes wie ein Berg um die Gefialt Chrifti bis an feine Bruft emporfleigen, und 
meift zwei Engel mit feinen Gewändern wartend zur Seite ftehen; dann die 
Verfuchung (G.  in mehrere Momente zerlegt; der Teufel iPt hier in nicht 
unedler dämonifcher Auffaffung gehalten, in menfchlichen Formen, nur fahl 
braun und mit Flügeln, blofs mit einer Purpur-Chlamys bekleidet. 
Die Berufung verfchiedener Apoftel fowie die Hochzeit zu Cana (G. T.) Wävnssääjit 
eröffnen nunmehr die eigentliche Wirkfamkeit des Herrn. Wir fehen ihn Chrilii. 
hierauf bei der Bergpredigt, einer in zwei Reihen zerlegten Compofltißn, bei 
Welcher oben in der Nähe des Heilandes die Apofiel fitzen, unten das Volk, 
I) Abkürzungen in Klammern: G. Gothaer, M. Münchener, T. Trierer I-Iandfchrift.  Eine ver- 
gleichende Ueberflcht der Gegenßände in der Gothaer und Trierer Handfchrift fowie in dem Codex 
Heinriclfs III. zu Bremen ifi fchon gegeben worden von H. A. Müller in deffen fpäter citirtem Auf- 
fatze, Mittheilungen der Centralconnniffxon 1862.
        

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