Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232529
246 
Buch. 
Zweites 
Periode. 
Erfter 
Abfchnitt. 
fchmutzig," aber die Handlung {iets lebhaft und anfchaulich, oft über- 
trieben draiiifch. In Cofiümen und Rüftungen überwiegen noch die antiken 
Motive. Noch roher find die Federzcichnungen aus der Legende von der 
Auffindung des Kreuzes in jenem Weffobrunner Codex in München, 
der das berühmte althochdeutfche Gebet enthält 1). Für die Auffaffung profan- 
gefchichtlicher Scenen fmd die leicht colorirten Zeichnungen in dem Lucan 
zu St. Gallen charakteriitifch (Stiftsbibl. Nr. 863). Statt bildmäfsiger Anord- 
nung ift, wie in der ägyptifchen Malerei und Reliefplaftik, eine landkarten- 
mäfsig graphifche durchgeführt, die eben nur den Zweck hat von den Ereig- 
niffen Bericht zu geben. Auf dem Bilde, das die Landung und den Tod des 
Pompejus bei Pelufium darfiellt, ift das Meer mit feinen conventionellen 
Wellenlinien fowie das Schiff mit feinen Figuren von unten nach oben gerichtet, 
die übrigen Gruppen entwickeln flch aber auf drei einfpringenden Landzungen 
ialle von links nach rechts (Fig. 66). Dabei lind die Vorgänge felbft recht 
anfchaulich. 
Auf fehr tiefer Stufe ftehen auch noch die derb colorirten Bilder in dem 
Gebctbuche aus Klofier Prüm bei Trier 2), unter den Aebten Hilderich 
(1- 993) und Stephan  1001) auf Kofien des Mönches Wicking gefchrieben. 
In den flüchtigen erzählenden Bildern tauchen noch manche altchrifiliche 
Reminifcenzen auf. Eine maffenhafte Production, die auf ähnlicher Stufe ftehen 
bleibt, dauert bis in das 11. Jahrhundert fort. 
Flvangelia- Schon vorher tritt aber wieder ein merklicher antiker Einiiufs in dem 
St. iiiiiihs. Evangeliarium des heiligen Ulrich, Bifchofs von Augsburg (923--973), in der 
Münchener Bibliothek hervor 3). Die Evangeliften, im Faltenwurf fchwach, find 
doch ausdrucksvoll bewegt, in Händen und Füfsen beffer verfianden; ein 
Kopftypus mit Harken Backenknochen und weitgeöffneten Augen geht durch. 
Die Behandlung iit fauber, die Modellirung forgfältig. In Thronen, Ein- 
faffungen, Draperien ift Gold und Silber verwendet, in den Initialen walten 
Roth und Grün vor. 
Hofkuurt. Diefes Werk ift aber nur die Vorfiufe einer neuen Richtung, die noch im 
Laufe des IO. Jahrhunderts ins Leben tritt und unter EinHufs überlegener 
Vorbilder einen plötzlichen und fiaunenswerthen F ortfchritt zeigt. Ihre Denk- 
mäler {ind wieder, wie in der Karolingerzeit, Erzeugnifie einer Hofkunit, die 
aus der unmittelbaren Umgebung des Kaiferhaufes oder aus berühmten Klöiiern, 
welche mit diefem in nahen Beziehungen Pcanden, hervorgingen. 
liczichtiug In der Zeit der Karolinger hatte Italien den Germanen die claffifche Ueber- 
"m Imhm lieferung vermittelt, und auch jetzt War gewifs der Verkehr mit diefem Lande 
förderlich- Wir finden nicht nur Gelehrte, fondern auch Künftler italienifchen 
Urfprungs am Hofe, wie einen Maler yolzrzzzzzes, den Otto III. zur Decoration 
der Palaftcapelle nach Aachen berufen hatte, und der fpäter in Lüttich zu arbeiten 
I) Staatsbibliothek, Cimel. 20.  Abb. bei lüzgler, kl. Sehr. I, 76, und Sllgrlzarl, Gcfch. der bild. 
Küulle im Königreich Bayern, München 1862, S. 50. 
2) Paris, bibl. nat. lat. 9448.  Abb. Lnäzzrie "Paf. 70.  
3) Cimel. 53.  Die zwei erften Evangeliftenbilder enthalten die Unterfchrift: Deus propitius esto 
Uodalrico peccatori. Ein verwandtes Evangeliarium im British Mufeum (Harleianvzg7o) mit gleicher 
Infchrift.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.