Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232498
hohe Bfittelalter. 
Das 
Vorbem erkungen. 
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die Technik in den verfchiedenften Zweigen der Kunfl und des Kunilgevverbes 
betreffen, Auf die Malerei hat wefentlich das erfle Buch Bezug, das von den 
Stoffen und der Bereitung der Farben, ihrer Mifchung, ihrer Verwendung, um 
diefes oder jenes darzuflellen, handelt, und zwar die Malerei auf Pergament 
oder Miuiaturmalerei fowie die Wand- und Tafelmalerei umfafst. Dann ill 
von der Bereitung von Blattgold, vom Auffetzen von Gold oder Silber, von 
der Bereitung von Staniol als Surrogat die Rede. Das Bindemittel für die 
Miniaturmalerei ifl bei den meiPcen Farben Gummi mit Waffer, bei Spanifch 
Grün reiner Wein, bei Minium, Bleiweifs und Carmin endlich Eigelb. Auf die 
Wand wird nicht a1 fresco, auf frifch angeworfenen naffen Kalk, fondern auf 
trockenen, blofs angefeuchteten Kalk gemalt. Leffing hatte angenommen, 
dafs zu Theophilus? Zeit fchon die Oelmalerei im Betriebe war; llC wurde aber 
nur für den Anilrich verwendet, ohne dafs man die Fähigkeit befafs, {ie für 
eigentlich künftlerifche Arbeiten zu benutzen. Das zweite Buch behandelt im 
Anfchluffe an die Glasfabrication auch die Glasmalerei. 
Ein anderes Receptbuch von Bedeutung, leider nur ein fpärliches Fragment, 1231102113221: 
ifl der Anonymus Bernenfis, Anweifungen eines unbekannten Autors über  
die Bindemittel, namentlich die von Theophilus nur kurz berührte Eitempera, 
und über die Colorirung von Initialen. Der Herausgeber 1) nimmt bereits das" 
9. Jahrhundert als Zeit des Autors an; die Handfchrift ftammt aus dem 11. 
In dem Werke nI-leraclius, über die Farben und Künfte der  
deffen zwei erfte Bücher mit ihren Anweifungen in Verfen noch in das IO. Jahr- 
hundert zu fetzen lind, behandelt erPc das dritte Buch in Profa, eine Zuthat 
aus dem I2. bis I3. Jahrhundert, die Malerei. 
Obwohl nun die Nationen des Abendlandes {ich fehon feit der Mitte des Distffrrtffahie- 
gjahrhunderts Pcaatlieh gefchieden hatten und feitdem eine gefonderte gefehieht- Nmioncn. 
liehe Entwicklung befafsen, empfiehlt fich doch bei der überfichtlichen Dar- 
ftellung der mittelalterlichen Malerei zunachft den einzelnen Techniken zu 
zu folgen und diefem Gange dann die Würdigung cleffen, was die verfchiedenen 
Nationen geleiftet haben, einzuordnen. Wohl beftanden Unterfchiede zwifchen 
den Nationen, ja zwifchen Stämmen, Gauen und felbil einzelnen localen 
Schulen, aber iie treten in der Malerei nicht in dem Mafse wie bei der Bau- 
kunfi; hervor. Die Einheit der Chriftenheit, welche während diefer Periode 
die abendländifche Welt beherrfchte, war nicht blofs eine ideale Vorfiellung, 
fondern eine Thatfache. Gerade in künfllerifcher Beziehung zeigt Geh, dafs 
die Elemente der Bildung überall diefelben find. Nur ift erklärlich, dafs 
Deutfchland, der Sitz der Kaifermacht, das politifch mafsgebende Land, damals  
in feiner Entwicklung etwas vor den anderen Reichen voraus hatte, obwohl 
feine Civilifation eine jüngere als diejenige der romanifchen Völker war. Die 
übrigen Länder, Frankreich, England, Spanien, Pcehen vorläufig in zweiter 
Reihe. Italien endlich verlangt feiner eigenthümlichen Verhältniffe wegen 
eine befondere Behandlung. 
I) Hermann fingen, Quellenfchriften VII. als Anhang zum "fheoplmihzs. 
2) Zuletzt herausgegebelfvon A. flg, Quellenfchriftcn IV, Wien 1373. 
1029i.-
        

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