Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232415
Die byzantinifche Malerei. 
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3) Der Tod des Heuchlers, des Gerechten, des Sünders. 4) Die Vergänglich- 
keit des zeitlichen Lebens, eine concentrifch geordnete Compofition, die den 
Darfiellungen der Zeit- und Weltkreife nebfl dem Glücksrade in der mittelalter- 
lichen KunPr des Abendlandes verwandt ift. Im innerilen Kreife fah man die 
Welt als gekrönten Greis, im zweiten die vier Jahreszeiten durch Männer in 
entfprechender Situation verfinnlicht, im dritten die zwölf Monate, verkörpert 
in den Zeichen des Thierkreifes; aufsen die fieben Altersftufen, die Kinder 
anfteigend, den Jüngling auf der Höhe des Rades, den Greis unten, bedroht 
vorn Tode, während der Drache lauert, feitwärts Engel, welche das Rad drehen. 
Der letzte Abfchnitt lehrt, wie die Bilder in den Kirchen zu vertheilen Yilflrtlläüäls 
und zufammenzuflellen find. Berückfichtigt werden auch noch die Weihbrunnen- 
häufer, welche das Bild vom Brunnen des Lebens und altteflamentarifche Vor- 
bilder der Taufe enthalten, und die Refectorien. In diefen {ind aufser dem 
Abendmahle andere Speifungen des Neuen "Teftamentes darzuflellen, ferner 
Gleichniffe ChriPci, wenn Platz ift apokalyptifche Bilder, und am unteren Ende 
jene zuletzt erwähnten Allegorien des Mönchslebens. 
Die Art, in welcher uns das Malerbuch vorliegt, läfst zwar nicht ent- 
fcheiden, was von feinem Inhalte älteren Urfprunges ift und einer bis in die 
befferen Perioden der byzantinifchen Kunft zurückreichenden Ueberlieferung 
feine Entüehung verdankt. Aber es bietet ein merkwürdiges Compendium der 
chriitlichen Ikonographie, wie fie vielfach nicht nur in der byzantinifchen, 
fondern auch in der abendländifchen KunPc Geltung hatte. 
Mit der Würdigung diefer fchriftlichen Quelle kann man die Ueberficht 
der byzantinifchen Malerei fchliefsen. Es bleibt nur noch übrig einen Blick 
auf diejenigen Länder zu werfen, deren Kunft von dem Centrum der chriitlich- 
griechifchen Welt her direct beeinilufst wurde. 
Die 
VOII 
Byzanz 
beeinflufsten 
Länder. 
So lange das byzantinifche Reich die Aufgabe erfüllte, von der Cultur Einrluß b;- 
und Kunft des Alterthums foviel zu bewahren, wie llCh unter der Umgeilaltung mnilaliiiiiiiier 
der Verhältniffe fePrhalten liefs, war feine Wirkung auf die Völker, die es {ich 
unterwarf, fowie auf diejenigen, welche an das Reich angrenzten und mit dem- 
fclben in Berührung kamen, eine außerordentliche. Da wir uns auf die 
Malerei befchränken, kommt zunächft die Kunft der Muhammedaner nicht 
in Betracht, deren Malerei und muflvifche Arbeit fich urfprünglich auf das 
Ornamentale befchränkte; wo fpäter die Grenze überfchritten wird, liegt 
dann fchon eine Anregung von der abendländifchen Kunft dem zugrunde. 
Anders fleht es mit denjenigen Völkern, welche von Byzanz her Zum 
Chriftenthume bekehrt wurden. Den byzantinifchen Stil, immer fchon in 
Ausartung, findet man in armenifchen Manufcripten wieder. Völlig roh, zälälelgäfge 
dennoch unter fichtlichem Einflufs von Byzanz erfcheinen die Miniaturen kop- rtfäirgt1rl1la- 
tifchen und aethiopifchen Urfprungs 1). Von den Slavcn gehören nur  
die nordwePdichen Stämme, welche Cultur und Chriitenthum von Deutfchland 
I) Proben bei 
Vwßzoaad, 
Palaeographia 
SaCfü.
        

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