Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232390
Die byzantinifche Malerei. 
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Der Text zerfällt in drei Abfchnitte, deren eriier die technifchen An- 
weifungen gibt, während der zweite die Gegenftände der kirchlichen Malerei 
aufzählt, der dritte von der Anordnung und Vertheilung der Bilder im Raume 
handelt. Der erfie Theil beginnt recht bezeichnend mit einer Vorfchrift über Technik. 
das Durchzeichnen der Bilder; eine andere Art, Studien zu machen, kannte 
die fpätbyzantinifche Kunft eben nicht. Dann folgen die Recepte für Bereitung 
der Kohle zum Zeichnen, der Pinfel, des Gypsgrundes, der Farben, für die 
Verwendung derfelben, für Firniffe, für Vergoldung. Die Tafelmalerei, die 
Oelmalerei auf Tuch und die Wandmalerei find berückfichtigt. Es werden 
Anleitungen zur Reinigung älterer Gemälde mitgetheilt. Wir finden befondere 
Anweifungen, wie man mofcowitifch und wie man kretenfifch arbeitet. Da- 
neben beftehen aber auch Beziehungen zur Technik des Abendlandes. Die 
Verfaffer kennen ein venetianifches und ein franzölifches Weifs, {ie wiffen 
ferner, dafs die Venetianer kein Blattgold auflegen, fondern einen Firnifs der 
deutfch nGoldfarbea heifse, anwenden. Wichtig ift befonders eine Stelle, welche Proportio- 
allgemeine Mafse für die Figuren feftfetzt. Ein fchlankes Verhältnifs, das in "m" 
der That auch in den fpätbyzantinifchen Bildern durchgeht, ift angenommen, 
der Körper mifst neun Kopflängen, die Höhe wie die Breite der einzelnen 
Theile lind in entfprechender Weife nach Kopf- und nach Nafenlängen beftimmt. 
Der zweite Abfchnitt, bei weitem der umfangreichfie, gibt eine ganz in das 
Einzelne gehende Ueberlicht der heiligen Gegenftände. Den Anfang machen 
die neun Chöre der Engel, dann der Sturz des Lucifer, hierauf kommen die 
Gefchichten der Geneiis von der Erfchaffung des Adam an in grofser AUS-Gegenilände. 
führlichkeit, die Gefchichte des Mofes, Scenen aus dem Buche der Richter, 
Gcfchichten des Samuel, David, Salomon, der Propheten, endlich drei Bilder 
aus dem Buche Hiob, eines aus dem Buche Judith. Der Charakter fcheint hier 
ein wefentlich erzählender zu fein. Dem Mofes, der vor dem Dornbufche kniet, 
erfcheint fyrnbolifch die Jungfrau mit dem Kinde, was auch im Abendlande 
vorkommt; der Bufch, welcher brennt, ohne zu verbrennen, wurde als Sinn- 
bild der jungfräulichkeit der Gottesmutter hingeftellt. Den Scenen folgen die 
Einzelfiguren, die Erzväter, die Vorfahren Chrifti, die Gerechten des Alten 
Bundes, die altteftamentarifchen Frauen, Mofes und die Propheten nebft Stellen 
aus ihren Schriften, endlich die Weifen des griechifchen Alterthums: Apollo- 
nius, Solon, Thukydides, Plutarch, Plato, Arifioteles, Philo, Sophokles, Thales, 
Balaam, die weife Sibylle, mit lnfchriften, welche fie als Zeugen des künftigen 
Heiles erfcheinen laffen; am Schluffe die Wurzel jeffe. Dann kommen die 
Gegenitände des Neuen Teftamentes. Bei der Taufe Chriiti erfcheint mitten 
im Fluffe ein nackter Menfch, der Waffer aus einem Gefäfse giefst, quer 
daliegt und Chriftus mit Furcht anblickt. Dafs diefer eine Perfonilication des 
Jordan iPt, war zur Zeit der Aufzeichnungen bereits vergeffen. Sehr aus- 
führlich {ind die Wunder Chriiti gefchildert, ebenfo die ganze Paffion. Eine 
Cigenthümliche Perfonification kommt bei der Ausgiefsung des heiligen Geiftes 
vor: diefe findet auf dem Söller eines Haufes ftatt, in deffen unterer Halle 
eine gekrönte männliche Figur, die Welt, thront. Hieran fchliefsen {ich 
Chrifii Gleichniffe, bei welchen meiit der lehrende Heiland und fodann der 
Inhalt der Parabel, nicht immer in bildmäfsiger und verftändlicher Weife, zu 
fehen iPc. 
        

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