Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232388
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Zweites 
Buch. 
Periode. 
Dritter Abfchnitt. 
 Mit gröfserem Rechte kann man dic textile Kunfi heranziehen, infofern 
fie Figürliche Darftellungen liefert. Dies that fie, wie im Alterthum, auch in 
chrifilicher Zeit, ftellte ornamentale Thierbilder, Figuren profanen Charakters 
und auch fchon frühe die Geüalten der chriftlichen Ueberlieferung fowie bib- 
lifche Scenen auf den Prachtgewändern, Teppichen, Vorhängen, Altarbeklei- 
dungen dar. Charakteriftik und Gefchichte ihrer Techniken gehören nicht 
hiehcr, wohl aber lind Weberei und Stickerei zu berühren, infofern {ie Repro- 
ductionen malerifcher Vorbilder von Bedeutung gewähren. Auch das Abend- 
land, befonders Italien bezog folche Erzeugniffe des byzantinifchen Kunlt- 
Heifses in grofser Zahl, worüber {ich vielfach Nachrichten im Papftbtiche des 
Anaitafius finden. Eine vorzügliche Leiftung der Stickerei ift die fogenanntc 
Kaifer- Kaiferdalmatica in der Sacriftei der Peterskirche zu Rom, ein fcidcncs 
daiTÄLtÄfn' Diakonengcwand aus dem II. Jahrhundert mit der Wiederkunft ChriPci auf dem 
Vordertheil, der Transfiguration auf dem Rücken, zwei Momenten des Abend- 
mahles, Spendung von Brot und von Wein, auf den Schulterblättern 1). 
Das 
Malcrbuch 
VOIII 
Berge 
Athos. 
Auffindung Für das ununterbrochene Fortleben der byzantinifchcn Kunfi haben wir 
disuäilf" neben den oben erwähnten neugricchifchen Kirchenmalereien noch ein anderes, 
fchriftliches Zeugnifs, das Malerbuch vom Berge Athos 2). Bei einer wiffen- 
fchaftlichen Reife im Jahre 1839 fand Didron in den Händen der Maler in 
diefem berühmten Mönchsftaate eine Handfchrift vor, Welche die Grundlage 
ihrer Technik und ihrer Compofition bildete. Er verfchaffte fich die Abfchrift 
eines Exemplares, die er publicirt hat. Ein Künftlermönch hat hier aufge- 
fchrieben, was er als künftlerifchen Brauch und als Ueberlieferung kannte. Er 
unterzeichnete das Vorwort als nder geringfie der Maler Dzknzyßos, Mönch von 
Fourna-Agraphau. Er giebt an, dafs er feine Schule zu Theffalonika durch- 
gemacht und die Werke des wie der Mond leuchtenden 3) Malers [Warme] Pan- 
felinas von Tlzeffalonika, der alle älteren und neueren Maler mit feiner wunder- 
baren Kunfl verdunkele, ftudirt habe, und zwar deffen auf Mauer wie auf Holz 
ausgeführte Gemälde auf dem heiligen Berge Athos. Beiftand zu diefen 
Aufzeichnungen hatte ihm fein in geiftlichen Dingen fehr erfahrener Schüler 
Meifter Kjlrillos von Clubs geleiftet. Den Panfelinos verfetzen unfichere Ueber- 
lieferungen in das II. oder 12. Jahrundert. Dionyfios wird nach dem fpäter 
zu erwähnenden ruffifchen Malerbuche gleichfalls unter die berühmten alten 
Maler gerechnet, aber feine Zeit läfst fich nicht genauer fefiftellen; der ur- 
fprüngliche Text ift nur in fpäteren Abfchriften mit zahlreichen Zufätzen 
da. Immerhin haben wir hier eine Ueberlieferung, die viele Jahrhunderte zu- 
rückgeht. 
I) Didran, Annales archeologiques, I. 152, mit Abbildungen. Prächtige Abbildung in Farben 
bei Fr. Borle, Kleinodien des 11. röm. Reiches deulfcher Nation, Wien 1864 F01. Taf. I8 f.  Vgl, 
Bock, Gefchiclite der liturgifchen Gewänder des Mittelalters, 3 Bände, Bonn 1859-4371. 
2) Didrwz 8c Duraud, Manual (Yiconographie cliretienne grecquc et latine. Paris 1845.  
G. Schäfer, ägyqvgla 171g "gwygarpzxüc. Das Buch der Malerei vom Berge Athos etc. Trier 1855. 
3) Wortfpiel mit dem Namen. Panfelinos heifst der Mondgleiche. 
        

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