Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232362
230 
Zweites Buch. 
Periode. 
Dritter Abfchnitt. 
erklärlich ift und der Sprachmifchung in damaligen Urkunden und Münzen 
aus dem heiligen Lande entfpricht; im Stile der Bilder {ind aber keine abend- 
ländifchen Einflüffe wahrzunehmen.  
Tragbare Seit dem I0. Jahrhundert wurden auch häufig kleinere tragbare Mofaik- 
Abfallen bilder verfertigt. Der Louvre bewahrt eins mit der Darftellung von Chrifti 
Verklärung (II. Jahrhundert) I), in den Opera del Duomo zu Florenz be- 
finden (ich zwei fpätere, dem Baptifterium gehörige Tafeln mit je fechs Scenen 
aus dem Neuen Teltamente.  
Der Stil des Verfalles, wie wir ihn bei den Miniaturen kennen gelernt 
haben, die fchematifche Wiederholung alter Mufter, die Verkümmerung der 
Formen, die Leblofigkeit und Erftarrung treten in den monumentalen Arbei- 
ten noch unerfreulicher zu Tage. In diefen Andachtsbildern iit die Phantaiie 
des Künftlers noch ftärker gefeffelt, Alles wird vom kirchlichen Ceremoniell, 
von der einfeitigen Feierlichkeit des Ausdruckes beftimrnt. Was der Künftler 
hervorbringt, ift nicht aus feiner eigenen Empfindung geboren, fondern er wird 
nur als der Handwerker angefehen, der das technifch ausführt, was die Geiß- 
lichkeit verlangt, und der [ich ftreng an ihre von Gefchlecht zu Gefchlecht 
überlieferten Vorfchriften zu halten hat. Je mechanifcher der Maler verfährt, je 
mehr er im Schaffen eigenes Gefühl und felbftändige Motive unterdrückt, deüo 
beffer erfüllt er das, was von ihm verlangt wird. Schon auf dem zweiten Con- 
cile zu Nicaea (787) war den Bilderfeinden gegenüber, gewiffermafsen zur Recht- 
fertigung, der Satz aufgefiellt worden: nDie Compofxtion der Bilder ift nicht 
der Maler Erfindung, fondern der katholifchen Kirche Gefetz und bewahrte 
Ueberlieferung, denn das Alte ifl zu ehren, wie der heilige Bafilius fagtu. 
Wand- 
und 
Tafelmalerei, 
textile 
KunPc. 
Wand? Neben der Mofaik wird zu gleichem decorativem Zwecke die Wand- 
maleren malerei geübt, und diefe überwiegt nun, als minder kofifpielig und langwierig, 
in der maffenhaften Production der fpäteren Jahrhunderte. Die forgfältige 
Bereitung des Kalküberzugcs der Wände, die ausgebildete Technik hatten die 
Byzantiner vom Alterthume gelernt. Kirchen in Syrien, in Griechenland ent- 
halten folehe Arbeiten in Maffe. Eine Hauptfiätte diefer Production, die bis 
auf den heutigen Tag ununterbrochen im gleichen Sinne fortdauert, ifi der 
Berg Athos. heilige Berg Athos mit feinen zahlreichen Klöflern, feinen 935 Kirchen und 
Capellen. Der Betrieb, der hier mit der Wandmalerei auch zugleich die Tafel- 
malerei umfafste, war ein völlig handwerksmäfsiger. Von einer geifiigen 
Schöpfung und von einem eigenen Studium war nicht mehr die Rede. Das 
auswendiggelernte Schema, auf Grund von Durchzeichnungen früherer Werke 
und von Vorfchriften übermittelt, wurde durch zahlreiche, gemeinfchaftlich 
"arbeitende Hände wiederholt, und die umfangreichften Arbeiten wurden in 
ftaunenswerth kurzer Zeit vollendet. Die Geftalten in blafs colorirter Umrifs- 
zeichnung, ohne Schattenangabe, ohne Modellirung, ohne Ausdruck, erfüllen 
wenigfiens immer noch ihren Zweck im decorativen Zufammenhange durch 
paffende Vertheilung im Raume, angemeffene Abwägung der Localtöne, einfache 
XVand- 
malerei 
Labarle,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.