Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232327
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Buch. 
Zweites 
Periode. 
Dritter Abfchnitt. 
fchrift des Dionyfius Areopagita mit neu hineingemaltem Dedicationsbilde: 
oben, in völlig fymmetrifcher Haltung, vor Iich das Kind, die Madonna, die 
dem Kaifer und der Kaiferin Helena, neben denen ihre drei Kinder liehen, 
Kronen auffetzt. Die Erftarrung ift hier auf das äufserfte getrieben, zugleich 
aber mit einer unangenehmen Süfsigkeit vermifcht. Die Köpfe fmd ein blofses 
Schema mit gefchlitzten Augen, ohne jede lVIodellirung, die Gewänder ftülpen 
{ich wie Glocken über die Figuren, von deren Bau nichts zu fpüren ift; Füiise 
lind nicht fichtbar, nur kommen unter jeder diefer leblofen Puppen die Beine 
eines Schemels, auf den {ie gefetzt fcheinen, zum Vorfchein. Die Farben, 
in ziemlich lebhaften Tönen, Roth, Hellblau, Dunkelblau, mit vielem Golde, 
breiten (ich ohne jede Schattirung in gröfseren Flächen aus. Diefe alter- 
fchwache Kunft ift auf eine Stufe des Kindlichen zurückgekehrt. Aber wie 
die byzantinifche Kunfi überhaupt bis in die neuelte Zeit fortdauert, ohne leben 
und {ierben zu können, {o exiitirte auch die Miniaturmalerei der Griechen 
nach dem Sturze des Reiches (1453) im Abendlande weiter. In der Renaif- 
fance-Periode, deren vollendeter Gefchmack auch der Buchmalerei zugute- 
gekommen, fanden trotzdem die byzantinifchen Illuminatoren, die nach 
Italien oder Frankreich ausgewandert waren, immer noch Liebhaber für ihre 
der Zeit nicht mehr entfprechenden Producte. Sie copirten auch da noch 
gewohnheitsmäfsig weiter und lernten nichts, wenn fie llCh auch mitunter dem 
abendländifchen Stile anzubequemen fuchten. 
Mofaiken. 
In das kunftgefchichtliche Gerüft, welches das Studium der byzantinifchen 
Miniaturen gewährt, mufs nun das eingefügt werden, was wir von Denkmälern 
in anderer Technik wiffen. 
Mofaikgn Die Mofaik nahm ebenfo wie die Miniaturmalerei unter dem bauluftigen 
aigiaflßfßzfit Kaifer Bafilius I. einen neuen Auffchwung. Von feinen felbfländigen Schöpf- 
ungen lind uns allerdings nur die Befchreibungen in den Gefchichtsquellen er- 
Neu. halten; das gilt von dem Schmucke der Kirchen, namentlich der Nea oder 
neuen Bafilika im Kaiferpalalte zu Confiantinopel, wie von den profanen Dar- 
ftellungen in den kaiferlichen Gemächern und Repräfentationsräumen. 1) 
Kainurginn. Im grofsen Saale des Palaftes Kainurgion waren die Säulen mit 
mufivifchem Schmucke, Weinreben und Thieren, überdeckt, am Gewölbe fah 
man den thronenden Kaifer, dem feine Feldherren eroberte Städte als Gaben 
darreichten, ringsum aber die nherculifchen Thatena des Bafilius, feine Kämpfe 
und Siege. In einem andern Gemache fah man den Kaifer mit feiner Gemahlin 
Eudoxia auf dem Throne mit Kronen und königlichen Gewändern, beiderfeits 
in ähnlichem Schmucke ihre Söhne und Töchter mit Büchern, den Vorfchriften 
der göttlichen Lehre. Der Stil mochte alfo den repräfeiltirenden Dedications- 
bildern der Handfchriften entfprechen. 
Goldenes Auch die rein ornamentale Mofaik dauerte fort; nicht lange nachher, unter 
 Porphyrogeilnetos, wurde das Goldene Triclinium des 
contimmtns, 
l ) Theoplmanes
        

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