Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230103
Kapitel. 
Erftes 
gann das eigentliche Aegypten erft an den unteren Stufen der nubifchen Berg- 
terraffen, bei den Wafferfällen von Affuan, dem Syene der Griechen, um von 
hier aus dem Laufe des heiligen Stromes, deffen wunderbare Ueberfchwem- 
mungen allein das faft regenlofe Land befruchten, bis zu feiner feichten Mün- 
dung in's Mittelmeer zu folgen. 
Geäiiiäte Das Aegypten der Gefchichte ging freilich den umgekehrten Weg: von 
'den Mündungen des Nils ftieg es zu den nubifchen Bergen hinan. Nur wenig 
oberhalb der Theilung des Stromes in die Arme des Delta lag Memphis, 
die Hauptftadt des nalten RGlChCSc, dem heutigen Kairo gegenüber; und die 
mächtigen Pyramiden von Gizeh, die man noch heute von der Citadelle der 
neu-ägyptifchen Hauptftadt dem Horizonte enttauchen fleht, flnd die Grabmäler 
der Pharaonen, die hier vor faft fünftaufend Jahren geherrfcht haben. Weiter 
aufwärts, in Mittelägypten finden wir bei Beni-Haffa ni die etwa taufend Jahre 
jüngeren, reich bemalten Felfengrotten, welche Grabgemächer von alten Aegyp- 
tern aus der zwölften Königs-Dynaftie enthalten. Noch weiter aufwärts aber, 
im eigentlichen Oberägypten, lag die Hauptftadt, wie fchon des nmittlern Reichesu 
feit der elften Dynaftie, fo vor allen Dingen des nnCLICII Reichesu, welches von 
hier aus der Jahrhunderte langen Fremdherrfchaft der Hykfos über das untere 
Nilthal ein Ende machte, lag das vhundertthorigeu Th eben, deffen mächtige 
Ruinen von Tempeln, Paläften und Gräbern noch heute zu beiden Seiten des 
Stromes {ich ausbreiten: Denkmäler, die nun ebenfalls an dreitaufend Jahre 
und darüber unter dem immerblauen Himmel diefer Zone in ihrer leuchtenden 
alten Farbenpracht fich erhalten haben. Die Herrfcher der thebanifchen 
Periode waren es denn auch, welche mit Roffen und Wagen noch weiter füd- 
wärts über die Grenzen des eigentlichen Aegyptens hinaus vordrangen und 
im nubifchen Lande Bollwerke der Civilifation gegen die wilden fchwarzen 
Horden errichteten, Monumente, wie die von Abufimbel (Ipfambul), die an 
Majeftät und Pracht mit denen der ägyptifchen Haupftadt wetteifern und da- 
durch die ägyptifche Kunftgefchichte zwingen, bis zu diefen unwirthlicheren 
Gegenden hinanzufteigen. 
Stilwandlun- Dafs man von einer ägyptifchen Kunftgefchichte als einem Wechfel des 
äggyelfrxiicciien Kunftftils im Gefolge der wechfelnden Zeitereigniffe wirklich reden kann, wird 
KLM nach verfchiedenen gelehrten Debatten, die hierüber Pcattgefunden haben, 
heute allgemein zugeftanden werden müffen. Vor allen Dingen kann man 
irgäläin die Kunft des walten Reichesa, die ihren Höhenpunkt in der fechften 
x Dynaftie gefunden, allen folgenden Perioden principiell entgegenfetzen. Die 
Proportionen, unter denen zu diefer Zeit der menfchliche Körper aufgefafst 
wurde, waren breitere, kräftigere, gedrungenere; vor allen Dingen war die 
Zwangsjacke des Kanon noch nicht zur feften Regel erhoben. Einige der von 
Mariette aus den Gräbern des alten Memphis zu Tage geförderten plaftifchen 
Werke zeigen einen individuell belebten und charakteriftifchen Realismus, 
welcher allen früheren Anfichten über den durchgängigen Conventionalismus 
der ägyptifchen Kunft widerfpricht. 
im älääfrßn In der elften Dynaftie, mit welcher einige Forfcher ein nmittleres 
Reichu beginnen laffen, werden die Proportionen fchlanker. Die Bruft bleibt 
breit und mächtig; der Leib wird eingezogen; Arme und Beine find ver- 
hältnifsmäfsig dünn; das Geficht erhält feine niedrige, zurücktretende Stirn,
        

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