Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1232096
Die karolingifche Epoche. 
203 
mitunter auch ionifchen Stiles, prächtige Seffel in antiker Form, geftreifte 
Teppiche lind in Beiwerk und Einfaffungen beliebt, Nachbildungen antiker 
Gemmen und Münzen kommen in einzelnen Handfchriften vor. Die Farben- Behandlung. 
Wirkung ift gewöhnlich hart und trübe, doch die Oberfläche hat einen ftarken 
Glanz, wohl in Folge eines leimhaltigen Firnifsüberzuges. Die Behandlung zeigt 
gewöhnlich eine hellröthliche Vorzeichnung mit dem Pinfel, dann paftofen Auf- 
trag der Deckfarbe, die als Mittelton über eine ganze Fläche geltrichen ward, 
während Schatten und Lichter kräftig aufgefetzt werden. S0 wurden in dem 
gelblichen Grundton des Fleifches die Umriffe der einzelnen Theile mit Schwarz 
geführt, die Augenlider mit Roth, die Wangen mit einem grünlichen Tone 
derb modellirt, das Licht längs der Nafe durch einen weifsen Strich ange- 
geben. In den Gewändern, die bei allen heiligen Geftalten antik, aber meift 
wenig verfianden fmd, wurden die, einzelnen Motive nur grob in fchwarzen 
Strichen eingezeichnet. Die Kenntnifs der Perfpective fehlte gänzlich, und 
nirgends löfen die Geftalten {ich wirkfam aus der Fläche ab.  
Ein licher datirtes Prachtwerk aus der Zeit Karls des Grofsen ift deffen ginifghäief; 
Evangeliarium in Paris (Bib. nat. nouv. acq. lat. 1993), für den König und dlegiääarä. 
feine Gemahlin Hildegard im Jahre 781 durch einen Schreiher Gadesscalc 
vollendet 1). Die Initialen fmd prächtig, jedes Blatt iPc reich ornamentirt, fechs 
gröfsere Bilder enthalten die Evangeliften, den thronenden Chriftus, eine Alle- 
gorie vom Brunnen des Lebens, dem verfchiedene Thiere nahen. Den Evan- 
geliften mit ihren groben Extremitäten, ihrer ungefchickten Haltung ift der 
ganz von vorn gefehenc fegnende Chriftus überlegen, in bartlos-jugendlichem 
Typus, mit blondem, in der Mitte gefcheiteltem Haare und, trotz der Aus- 
druckslofigkeit bei aufgeriffenen Augen, dadurch, dafs die Lippen leife ge- 
öffnet lind, nicht von der Starrheit der übrigen Köpfe (Fig. 57). Karolingifche 
Architektur und Teppich-Hintergründe lernt man hier vorzüglich kennen. Ueber- 
legen iit der Codex aureus in der Stadtbibliothek zu Trier, gefchrieben 
auf Veranlaffung einer Aebtiffin Ada; die Evangelifien, fämmtlich bartlos 
und von idealem Typus, Iind trotz aller Unvollkommenheit frei und grofsartig 
in den Motiven 2). 
Nahe verwandt find das Evangeliarium aus Saint-Ricquier oder Centula 
(Abbeville, bib. municipale) und dasjenige aus Saint-Medard in Soissons 
(Paris bib. nat. lat. 8850), in welchem auch der Brunnen des Lebens mit farben- 
prächtigem Säulenbaldachin wieder vorkommt, dann ein Evangeliarium im 
British Mufeum (Harleian N0. 378893), die aufser den Evangeliften auch 
kleine biblifche Scenen in einigen der prächtigen Initialen enthalten. Etwas 
abweichend iPc das Evangeliarium Karls des Grofsen unter den Kleinodien des 
heiligen römifchen Reiches deutfcher Nation in der Schatzkammer zu Wien. 
Ueber Zeit und Urfprung findet fich im Buche felbft keine Angabe, aber man 
darf es nicht fpäter anfetzen 4). Was es von allen Denkmälern aus der Epoche 
I) Vgl. aufser Baßard noch Weßzvoad pal. sacra. und Du Sammerard, Les Arts au moyen äge, 
Album, VII. särie pl. 39, 40. 
2) Kugler kl. Schriften II S. 337, mit Abbildung. 
3) Humplzreys, The illuminated books of the Middle Ages, Taf. II-IV. 
4) Waagen, Kunfidenklnäler in Wien II. S. 409, wollte es erPc der Zeit Karls des Kahlen zu- 
fchreiben.  Anzellz, Denkfchriften der kaif. Akademie der Wiffenfchaften in Wien, Phil-hifl. CL, 
B. XIII, XVien X864, mit Abbildungen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.