Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231889
Erftes Buch. 
Dritter Abfchnitt. 
in Gold und Silber zur Steigerung des Glanzes. Dazu kamen dann felbitän- 
dige Darftellungen. 
Gegenftäxule. Bildlicher Schmuck kommt in Büchern religiöfen wie profanen Inhaltes 
vor. Botanifche und aitronomifche Werke enthalten Illuftrationen, die weniger 
auf Verzierung der Handfchrift als auf Veranfchaulichung des Inhaltes be- 
rechnet find. Aehnliches kann man von den bereits früher (S. 100) erwähnten 
Handfchriften griechifcher und römifcher Dichter fagen, in denen Bilder nach 
antiken Muttern {ich weit in das Mittelalter erhalten, befonders von dem Frag- 
mente der Ilias in der Ambrofiana zu Mailand, das der Schrift zufolge wahr- 
fcheinlich in Italien entftanden ift, und dem Virgil Nr. 3225 in der Vaticana I). 
Aber Malereien von wahrhaft künftlerifcher Behandlung findet man doch 
zum bei weitem gröfsten Theile in Büchern religiöfen Inhalts, die meift Befitz 
oder Stiftung vornehmer Perfönlichkeiten waren. Ihrem Gegenflande nach 
ftimmen die Bilder in Büchern gleichen Inhaltes Pcets überein; mit den Hand- 
fchriften wurden in fpäterer Zeit auch oft deren (Malereien copirt, die Typen 
und Motive erben fich fort, fo dafs auch bei den beften Arbeiten oft kaum zu 
entfcheiden ift, in wie weit Iie Originale, in wie weit Reproduction früherer 
Rcligiöfe Darftellungen find. Evangeliarien enthalten die Bilder der Evangeliflen, 
ßelfjggm. die mit ihren Büchern daitehen oder auch am Schreibpulte fitzen; ihr Typus 
wechfelt, fie find bartlos oder bärtig, in mittleren Jahren oder betagt 
dargeiiellt, Johannes fait immer als Greis. In früherer Zeit erfcheinen fie 
meiit allein, ohne ihre bekannten Symbole. Mitunter kommen noch andere 
Bilder repräfentirenden Charakters, etwa eine Majestas Dei, ein thronender 
Chrifius, hinzu. Ihn umgiebt dann gewöhnlich eine eliptifche Glorie, welche 
die Italiener Mandorla (Mandel) nach ihrer Form genannt haben, er hält 
das Buch des Lebens und erhebt feine Rechte in einer Geberde, die 
meift als fegnende aufgefafst wurde, aber eigentlich eine lehrende, ver- 
kündende ift 2). Während eine Darftellung diefer Art ftets in der getragenen 
Feierlichkeit gehalten ifi, die wir aus den Mofaiken kennen, gewinnen die 
erzählenden Bilder aus der heiligen Gefchichte in den Handfchriften eine un- 
gleich gröfserei Freiheit der Entfaltung; hier verfuchen die Künitler wirk- 
liche Handlungen darzufiellen, was ihnen namentlich in der früheilen Zeit 
trefflich gelingt. Auch das Alte Teftament wird hier nicht blos als Vorbild 
des Neuen, fondern felbftändig behandelt. Solche erzählende Bilder aller Art 
kommen in den-Handfchriften einzelner biblifcher Bücher, in theologifchen 
Schriften, Pfalterien, Gebetbüchern vor. Den Figuren der heiligen Ueber- 
 find in vielen Fällen aber Perfonificationen von Localitäten, von 
"omm Empfindungen und abftracten Begriffen beigemifcht, die, aus antiker Auffaffung 
hervorgegangen, {ich oft noch bis in fpäte Zeit erhalten. 
Degifgäions- Eine befondere Gattung von Darfiellungen iind die Dedicationsbilder. 
I) Phototypifche Reproductioilen in der Palaeograph. Society, Ilias Taf. 39, 4.0, 51, Virgil 
Taf. 117.   
2) Das fogenannte Segnen nach griechifchem Ritus, bei welchem der Daumen und der vierte 
Finger (ich kreuzen, der Mittelfinger leife gekrümmt ift, kann weder als fpecifrfch griechifch gelten 
noch auch als Geberde des Scgnens; vgl. Sclznargfe III. 8.650 f, Die Vermuthung, da wo dies vor- 
kommt, fei ein byzantinifcher EinHufs anzunehmen, hat manche Verwirrung in der Kunilgefchichte 
angerichtet, kann aber jetzt als abgethan gelten.
        

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