Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231817
Mofaiken. 
Die altchrißlichen 
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Hafenftadt Byzanz war in die kaiferliche Refidenzftadt Conftantinopel umge- 
wandelt worden. Wo die fchmale Meerftrafse des Bosporus fich gegen die 
Propontis öffnet, breitete vdie neue Roman {ich aus, dem Handel zugänglich, 
der ihr die Schätze von zwei Welttheilen in den Schofs fchüttete, und gegen 
jeden Angriff gefichert. Zwifchen dem Meere und dem tiefeinfchneidenden 
Hafen, dem Goldenen Horn, verzweigte fie fich über Anhöhen und Thäler. 
Das Machtgebot eines Herrfchers liefs die Stadt in die Höhe fteigen. Mauern, 
Säulenhallen, Wafferleitungen, Hippodrom, Bäder und andere öffentliche Ge- 
baude {landen in kurzem vollendet, die Städte Griechenlands und des Orients 
mufsten ihre köftlichften Schätze, ihre Denkmäler in Marmor und Erz her- 
geben, um die neue Kaiferftadt zu fchmucken, ja fogar ihre Handfchriften 
und Bibliotheken fpenden. Künftlich wurde eine grofse Bevölkerung herge- 
zogen, und an diefer Stätte des Luxus fanden kunflfertige Kräfte jeder Art 
ihr Arbeitsfeld 1). 
Die byzantinifche Kunft fleht, wie die abendländifche diefer Periode, unter 
dem Eintlufs der antiken Ueberlieferung, aber die Tradition waltet hier in den 
Werkfiätten viel ungeftörter weiter und wird durch die Fülle von Kunftwerken 
befferer Epochen, wie iie feit der Gründung von Byzanz hier aufgehäuft 
worden, genährt. Die Einbrüche der Barbaren blieben Conftantinopel erfpart. 
Der höfifche Luxus, welcher in der Refidenzfladt des Kaifers heimifch war, be- 
günftigte die Production. Unter diefen Verhältniffen blieb vor Allem die 
Technik auf einer gröfseren Durchfchnittshöhe und zeichnete {ich durch Solidität 
und Präcifion aus. 
Freilich reichen die Denkmäler der monumentalen Malerei, die Mofaiken, 
am wenigflen hin, um ein Urtheil über Charakter und Gefchichte der byzan- 
tinifchen Malerei in den erften Jahrhunderten nach Gründung Conftantinopels 
Zu geftatten, denn nur wenig ift erhalten, und auch dies ift keineswegs ficher 
datirt. Noch immer beruht die Darftellung der byzantinifchen Malerei in 
unferen beften kunftgefchichtlichen Werken auf falfchen Vorausfetzungen, in- 
dem fpätere Schöpfungen in eine zu frühe Periode gefetzt werden. 
Die Hauptfchöpfung juftinians ift die Hagia Sophia in Conftantinopel, Hagia 
geweiht der göttlichen Weisheit, der zweiten Perfon der Gottheit," begonnen Sophia" 
im Jahre 532, nachdem der ältere Bau aus Conftantins Zeit während des Nike- 
Aufflandes zu Grunde gegangen war. jetzt ift fie Mofchee, die Mofaikbilder 
find nur noch theilweife vorhanden und mit Tünche überdeckt, aber bei der 
letzten Reftauration (1847) kam das Erhaltene auf einige Zeit zum Vorfchein 
und konnte nachgebildet werden. Im Inneren entfalteten {ich alle Zweige 
künftlerifcher Technik, über welche das neue Rom gebot; in derjenigen 
Ausftattung, die unmittelbar mit der Architektur zufammenhing, überwog die 
Flächendecoration, der monumentale Teppich, unten als farbige Marmor- 
fäfelung, oben, über den Gefimfen, an Gewölben und Bogenfeldern, als Glas- 
Pcift-Mofaik. Aber das vorliegende Material reicht nicht aus, um erkennen zu 
laffen, wie viel von dem Vorhandenen noch der Zeit juftinians angehört, ja ob 
irgend etwas auf fle zurückgeht. Das Meiile dankt offenbar fpäteren Her- 
I) Sclznaafe, Bd. III.  F. W Mzger, 
E1131! u. Gruber, I. Section, B. 34, 85. 
Chrifilich 
grieghifche 
oder 
hyzantinifche 
Kunft. 
Bei
        

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