Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231795
altchriülichexl Mofaiken. 
Die 
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wird nur von Ornament gefüllt, die Flächen neben den Oeffnungen der Em- 
poren (5 und 6) enthalten die vier greifenhaft dargeftellten Evangeliften mit 
ihren Symbolen. Ueber der Mitte der unteren Arcaden (7) fchweben zwei 
Engel mit dem Kreuze. Die Zwickel daneben zeigen nach der Kirche zu (8) 
den Propheten Jeremias und gegenüber jefaias; neben der Apfis auf breiterem 
Felde  Mofes auf dem Sinai als bartlofe Idealgeftalt über einer Volksgruppe, 
die in ihrer Rohheit das ganze Ungefchick der damaligen Kunft, fobald diefe 
ohne Mufter fich auf die Wirklichkeit angewiefen fah, verräth; gegenüber 
Mofes, der vor dem Dornbufche feine Sandalen löft, und darunter Mofes als 
Hirt zwifchen Schafen. Das grofse Bogenfeld über den Arcaden (I0) enthält 
endlich die altteftamentarifchen Ereigniffe, welche eine Stelle des Hebraeer- 
briefes als Vorbilder vom Opfertode Chrifti hinftellt: an der einen Wand 
Abraham, der die drei Engel bewirthet, fowie Abraham, der im Begriffe iteht, 
Ifaak zu opfern; an der Wand gegenüber Abel mit dem Lamme und Melchi- 
fedek mit dem Brot zu den beiden Seiten eines Opfertifches. Brufibilder von 
Heiligen, Apofteln, urfprünglich auch von Chriftus, an dem breiten Gurtbogen, 
der zum Kuppelraume führt  grenzen den ganzen Cyklus ab. 
S0 mächtig der Eindruck des Ganzen immer noch ift, fo fleht es doch S! 
bereits nicht mehr auf der künftlerifchen Stufe der früheren Werke. Die 
Geltalten und Motive {ind ungleichartig, je nachdem der Künftler ältere und 
beffere Vorbilder benutzen konnte, wie bei Chriftus und den Engeln in der 
Apiis, dem Abel, dem opfernden Abraham, dem fandalenlöfenden Mofes im 
Altarhaufe, oder mehr auf fich felbit angewiefen war, wie bei der kümmer- 
lichen Figur des auftragenden Abraham. Die Gewandung iit meift höchft 
forgfältig, aber fchon fleif, die Contouren fmd fchwer. Die dogmatifche 
Tendenz überwiegt, und unter ihr eritarrt namentlich in den Opferbildern die 
eigentliche Handlung. Der Landfchaft ift hier viel Raum gewährt, aber {ie 
ift bei der perfpectivifchen Unfähigkeit, die durchgeht, von ungenügender 
Wirkung. Ihre Maffe von Grün, verbunden mit dem überwiegenden Weifs der 
Gewänder macht aufserdem die Farbenwirkung höchft eintönig. 
Die Zeit, in welcher Juitinian Kaifer des Oitens war und flch auch den 
Weiten wieder unterwarf, ift dadurch bedeutungsvoll, dafs jetzt das lebendige 
Fortwirken der antiken Cultur erlifcht. Das Barbarenthum, welchem die 
kräftige Oftgothenherrfchaft noch eine Zeit lang gewehrt hatte, bricht un- 
aufhaltfam herein; in Italien fetzen bildungslofe Langobarden {ich feft. 
Der ideale Geil": des Chriftenthums wird unter dogmatifche Starrheit ge- 
beugt. Der Aberglaube, der Reliquiencultus, der Heiligendienft, der wieder 
Zum Polytheismus, nur unter neuer Firma, zurückführt, bürgern {ich ein, das 
Mönchsthum wird eine kirchliche Inftitution, die asketifche Richtung, Welche 
die natürlichen Triebe des Menfchen abtödtet, {iatt fie zu veredeln, bemächtigt 
{ich der Geifler. Wie die Epoche juitinians auf dem Gebiete, dem ihre gröfste 
Leiftung angehört, dem des Rechtes, mit der frei fchöpferifchen Thätigkeit 
durch ein faminelndes, ordnendes, feftftellendes Verfahren abfchlofs, fo begnügte 
T16 fich auch in der Kunft mit der Reproduction des Ueberlieferten ohne eine 
eigene Schaffenskraft zu bewähren. Formen, Zeichnung und Gewandung werden 
immer fchematifcher, in der Auffaffung überwiegt das Strenge, Nüchterne, Starre. 
Keine Bewegung iit mehr von kräftigem Willen infpirirt, keine Regung perfön-
        

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