Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231775
Die altchrißlichen Mofaiken. 
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Sie gehen von der Stadt Ravenna aus, die durch die Anficht des Königspalaites 
und des Hafens angedeutet ift, und ihre Zielpunkte fmd dort Maria, hier 
Chriftus, die zwifchen vier Engeln einander gegenüber thronen. Das Ganze ift 
unter dem Einflufs antiken Reliefftils componirt, mit feftgehaltenem Parallelis- 
mus beider Seiten, ruhig fortfehreitcnder Bewegung, gleichmäfsiger Füllung 
des Raumes und gleicher Kopfhöhe der ftehenden und der fitzenden Geftalten. 
Aber mag auch der Gefammteindruck edel und fefllich fein, fo find doch 
die Motive der einzelnen Gellalten fchüchtern, die Köpfe fchwach gezeichnet 
und unvollkommen modellirt. 
So fetzen {ich die beiden Perioden, denen die Bilder in S. Apollinare nuovo 
angehören, mögen fie auch nahe an einander grenzen, doch fcharf gegen 
einander ab. Wie in Rom, fo war auch hier die claffifche Periode der altchrift- 
liehen Kunft mit dem Schluffe der Oftgothenzeit und der Eroberung durch die 
Byzantiner vorbei.  Die unmittelbar folgende Zeit, in welcher der zur Allein- 
herrfchaft gelangte katholifche Cultus feinen höchiten Glanz aufbot, war aber 
in Ravenna höchft productiv, und die Werke, die wir jetzt berückfichtigen 
müffen, gehen dem eben gefchilderten Friefe grofsentheils noch vorher. In 
der Haus capelle des erzbifchöflichen Palaftes 1) fmd die älteften Mofaiken,  
befonders die Bruftbilder an clen Gurtbögen, noch aus der Zeit des Bifchofs  
Maximian, wie fein hier vorkommendes Monogramm zeigt. Die vier Engel, 
welche am Kreuzgewölbe des Vorraumes das mittlere Schild mit dem Mono- 
gramme Chrifti tragen, zeigen ein Motiv, das wir noch fchöner in San Vitale 
wiederfinden werden. Anderes ift Flickwerk aus fpäterer Zeit. Die für das 
Berliner Mufeum erworbenen Mofaiken aus der 543 geweihten ehemaligen 
Kirche San Michele in Affricisco fmd dort noch nicht aufgeftellt. Nach iE-Algfifcläfä 
Abbildungen?) enthielt der Bogen den bärtigen Chriftus zwifchen Engeln mit   
Pofaunen, die Apfis den bartlofen mit dem Buche, von Engeln umgeben. 
Die wichtigfte Schöpfung der Epoche ift endlich der wohlerhaltene, 
gröfserc Bildercyclus im Chor der fchon früher,  
526 unter Bifchof Ecclefius, begonnenen, 547    
unter Bifchof Maximian beendigten Kirche  
San Vitale(Fig. 48)  In der Halbkuppel der  s. Vitale. 
Apfis (I) thront Chriftus auf goldenem Grunde : :  
über den Paradiefesflüffcn, umgeben von zwei 5  
Engeln, dem heiligen Vitalis, der von Chriftus l l  
die Krone empfängt, und dem Gründer der n 
Kirche BifchofEccleüus mit dem Kirchenmodell. 
Letzterer ift ein echt römifeher Porträtcharakter, I 
Chriftus zeigt noch den jugendlich bartlofen  : .  
Idealtypus, der hier freilich fchon iiarrer gewor-   
den. Diefem Dedicationsbilde, das überlegen ift,  
weil es auf befferen Vorbildern beruht, entfpre- Fig. 48. S. Vitale, Ravenna. 
in 
I) Garurci Taf. 222-225. 
2) Ciampini: Vet. mon. II. Taf. 17,- Photographien nach Zeichnungen. 
den Magazinen der Nationalgalerie; He fcheinen nur theilweife alt zu fein. 
3) Gamrci Taf. 258-264. 
jetzt, zur Ilerüellung,
        

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