Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231742
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Buch. 
Erfies 
Abfchnitt. 
Zweiter 
überlegen den ähnlichen Gewandfiguren in Stuck, welche zwifchen den Area- 
den des oberen Stockwerkes ftehen. Am Saume der Kuppel beginnt wieder 
Mofaik, zunächft ein Fries mit perfpectivifchen Aniiehten dreifchiftiger, von 
Säulen getragener Kirchen als Sinnbilder der Kirche felbit; dann an der Wöl- 
bung die zwölf Apoflel, welche, Kronen in den Händen, einander im Kreife 
feierlich entgegenfchreiten. Ueber ihren Häuptern hängen Teppiche, zwifchen 
ihnen wachfen {iiliiirte Blumen in die Höhe, um das Paradies als Schauplatz 
anzudeuten; ihre Köpfe find von römifch-individuellem Gepräge. Das mittlere 
Rund füllt die Taufe Chriiti. Bei dem taufenden Johannes überrafcht das Ver- 
ftändnifs der Form und der ausdrucksvolle Adel der Bewegung. Der Jordan 
iit nach antikem Brauche als Flufsgott perfonifieirt. 
Cägfeggflge Von ähnlichem Kunftwerthe find die Mofaiken in der Kirche S. Nazaro 
Placidia e Celso, der Grabcapelle der Regentin Galla Placidia (T 450), die fich dies 
Denkmal noch bei ihren Lebzeiten errichtet hatte l). Die Kuppel über der 
Vierung enthält das Kreuz und die Evangeliilen-Symbole, die Querhausarme 
iind mit Apoftelgeiialten gefehmückt. Das läogenfeld über der abfchliefsenden 
Chorwand, durch ein Feniier getheilt, zeigt rechts den heiligen Laurentius, 
der, ein Kreuz auf der Schulter, auf den glühenden Rofi: zufchreitet, fo dafs 
alfo die Darftellung des Martyriums felbft noch vermieden ift, links einen 
Schrein mit den vier Evangelien. Das fehönfie Bild füllt das Bogenfeld über 
dem Eingang: der gute Hirt, in goldener Tunica und purpurnem Mantel, 
fitzt in feliiger Uferlandfchaft läfiig da, die Linke erhoben am goldnen 
Kreuzesftabe, die Rechte in anmuthiger Wendung über den Schofs hinüber- 
geftreckt um ein Lamm zu liebkofen. Die Thiere {ind dürftiger als in 
S. Cosma e Damiano zu Rom, aber in der Hauptfigur lebt noch das fchwung- 
volle Liniengefühl des Alterthums (Fig. 47). Hier erfcheint der gute Hirt 
nicht blofs als Symbol des Heilandes, fondern er ift Chriftus felbft, Wie der 
Nimbus und das Kreuz, die feierliche Auffaffung an Stelle der genrehaften 
in den Katakomben darthun. Der Grund ift überall blau; Ranken, Guirlanden, 
Mäander-Verzierungen bilden die Umrahmungen. 
Qrlsoyhcu- Die eifrige Kunftthätigkeit dauerte in Ravenna fort, nachdem diefes im 
2m Jahre 493 die Hauptitadt des Oltgothen-Reiches in Italien geworden war. 
Wie Theodorich die antike Cultur zu erhalten," ihre Denkmäler zu fchützcn 
ilrebte, fo verwaltete und pflegte er auch die Kunit, die er bei den Einheimia 
fchen vorfand, und obwohl die Gothen Arianer waren, beftand doch bei der 
Toleranz des Königs ein gutes Verhältnifs zur römifchen Kirche, bis fich 
Papit Johann im Jahre 523 von Byzanz her gegen die Ketzer aufftacheln liefs. 
So nimmt man denn auch in den Mofaiken der gothifchen Zeit keinen Inhalt 
der auf Verfchiedenheit der Lehre hinwiefe, und keine andere Wendung des 
Stiles wahr als die, welche ilCh aus ihrer fpäteren Entftehung ergibt. Die 
Baptifleriunl Kuppclmofaik im Baptiiterium der Arianer (Santa Maria in Cosmedinlz) Primmt 
Andaiier. dem Gegenftande nach mit der im katholifchen Baptilteritim überein, ficht 
aber der clafflfchen Tradition bereits ferner. Bei der Taufe iPc das Motiv des 
Johannes lahmer, feine Stellung ungefchickt, der Jordan erfcheint, wie das nicht 
l) v. Quasi Taf. II- 
2) Garurci Taf. 241. 
Gamrci Taf.
        

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