Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231731
Das 
übrige 
Italien, 
befondcrs 
Ravenna. 
Auch andere italienifche Städte bewahren noch Mofaiken aus der clafli- 
fchen Periode frühchriftlicher Kunft. In Mailand {ind aus dem 5. Jahrhundert miländ. 
die Mofaiken der Capelle San Satiro bei Saut Ambrogio und S. Aquilino 
bei S. Lorenzo zu erwähnen l); in Neapel die reich gefchmückte aber durch Neapel. 
Refiaurationen entftellte Flachkuppel des kleinen quadraten Baptifteriums San 
Giovanni in fonte beim Dom; aus der Zeit des Bifchofs Vincentius, 
zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts 2). Fruchtfchnüre, reiche Ornamente und 
Vögel bilden die Rahmen der nur zum kleineren Theile erhaltenen figürlichen 
DarPcellungen. 
Seit dem 5. Jahrhundert war endlich Ravennaß) eine großartige Stätte Ravenna. 
chriPrlicher Kunft, nachdem Honorius bei dem Einfalle der Weftgothen die 
kaiferliche Refidenz dorthin verlegt hatte (404). An keinem anderen Orte tritt 
uns heute noch ein fo zufammenhängendes und gefchloffenes Bild diefer 
Periode entgegen wie hier. Der Eindruck der ravennatifchen Mofaiken iit ein 
fo mächtiger, dafs er öfter zu einer Unterfchätzung der rörnifchen Monumente 
ihnen gegenüber geführt hat. Aber Rom war doch immer der Hauptiitz der 
Kunlt in Italien, auch die Kunftthätigkeit in Ravenna hatte von dorther ihre 
erften Impulfe bekommen, die Bedingungen für die fernere Entwicklung wie 
für den Verfall der Kunft lind dann an beiden Orten die gleichen. Die von 
Crowe und Cavalcafelle ausgefprochene Aniicht, dafs in Ravenna eine Ueber- 
lcgenheit auf Grund lebhafteren Zufammenhangs mit der griechifchen Welt zu 
erkennen fei, wird durch die Prüfung der Denkmäler nicht beftätigt und läfst 
(ich gefchichtlich nicht ausreichend begründen. Aber Ravenna ift deshalb 
wichtig, weil es in der Folge weder folche Verheerungen feiner Denkmäler 
noch auch fo prunkfüchtige Umgeftaltungen derfelben erlebt hat wie die Welt- 
ftadt Rom. Hier ftehen die Mofaiken uns grofsentheils beffer erhalten und 
in zufammenhängenden Cyklen vor Augen.   
S0 finden wir gleich in dem Baptifterium der Orthodoxen, S. Giovannißapimem, 
in fonte neben-dem Dom, das, was wir in Rom vergebens fuchen würden; 
ein erhaltenes Beifpiel vollftändiger Innendecoration in gröfserem Mafsftabeti). 
Der achteckige Kuppelbau aus der Zeit des Bifchofs Neo (um 425 -430)  
enthält in den Zwickeln feiner unteren Arcaden vollendet fchönes Ranken- 
Werk und je ein Oval.mit der trefHichen Gewandfigur eines Heiligen, weit 
I) Garucri Taf. 234. 
 2) Chronik der Bifchöfe v. Neapel (bei jllzzrntori), citirt bei A. VIÄ Sclmlz, Denkmäler der Kunfi 
des Mittelalters in Unteritalien, 111. S. 6. Ebenda S. I3. Befchreibung.  Garuczi Taf. 269 f. 
3) A. .F_ 11. Quasi, Die altchrifil. Bauwerke von Ravenna. Berlin 1842, fol.  K. Ralm, Ein 
Befueh in Ravenna. Jahrbücher für Kunflwlffenfchaft, I. Leipzig, 1868 (auch feparat).- Yean Paul 
Richter, Die Mofaiken von Ravenna. Beitrag zu einer kritifchen Gefchichte der altchrifil. Malerei. 
Wien 1878,  
4) H Knelzler: Polychrome Meifterwerke der monumentalen Kunß; in Italien, Lief. 3; vgl. auch 
lfalnz, S. 168, Richter 'l'af. I.  Garnen" Taf. 226-223. 
5) Die Datirung der älteften Bifchöfe bei Agnellzzs, liber pontiiicalis seu vitae pontif. Rav., Illu- 
Yatori, 11., ift nicht ganz gelichert.
        

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