Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231666
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Buch. 
Erftes 
Zweiter Abfchnitt. 
antiken Denkmälern entnommen find, ruht die Oberwand des Mittelfchiffes; 
eine reiche Felderdecke mit Erz und Vergoldung fchliefst die Räume, fo weit 
fie nicht gewölbt find. Der Fufsboden und die untere Täfelung der Wände 
werden durch Marmormofaik in gröfseren, fymmetrifch entwickelten Muflern 
(opus tesselatum und opus sectile) gebildet, in der Höhe aber finden figürliche 
Darftellungen in einer aus Steinchen oder Glasflufs-Stückchen zufammengefetz- 
ten Mofaik ihren Platz und vollenden den reichen Eindruck des Innern. Im 
Centralbau breiten fie fich an der Kuppel wie an den Gewölben des Umgangs 
und der Nifchen aus, in der Bafilika entfalten fie fich an der Eingangswand, 
ziehen üch an den parallelen Langwänden des Mittelfchiffs oberhalb der Area- 
den, zwifchen und über den Fenitern weiter, gipfeln am Triumphbogen, falls 
ein Querhaus vorhanden iit, dann am Bogen der Tribuna und finden endlich 
in der Halbkuppel der Apsis Ziel und Abfchlufs. Mitunter kommt fogar eine 
mufivifche Decoration der Fagade hinzu. 
Technik. Die Mofaik, die eine wahrhaft monumentale, dauerhafte und fafl unver- 
änderliche Decoration erreichen läfst, ift allerdings keine Technik, die unmittel- 
bar der fchöpferifehen Hand des Künitlers dient, fondern eine inühfame Hand- 
werksarbeit, die durch Zufammenfugung zahlreicher Einzelftückchen nur eine 
Copie des farbigen Originalcartons von Künftlerhand herftellt. Dennoch ift 
hier die Handwerksmäfsigkeit geringer als in den Katakomben-Malereien. Die 
Mofaiciften mögen mechanifch arbeiten, verfahren aber nicht fo Hüchtig und 
forglos; Wahl und Benutzung der Mufter ift nicht ihrem Belieben überlaffen, 
fie arbeiten vielmehr unter {trenger künitlerifcher Controlle und nach Vorbildern, 
die auf der Höhe der Zeit Pcehen. 
Anfangs überwiegt ein rein ornamentaler Charakter im Stile claffifcher 
Raumdecoration, fo in den römifchen Denkmälern, die in der Zeit Conftan- 
TEä-Kfägäaälle tins oder unmittelbar nachher ihren Schmuck erhalten haben. Die Tauf- 
  capelle arnLateran zeigt in einer Apfis der ehemaligen Vorhalle edel ge- 
fchwungene Goldranken, dazwifchen Tauben und andere chriftliche Symbole 
auf tiefblauem Grunde i). In der vor der Porta Pia gelegenen Taufcapelle und 
s. Coftanza. fpäteren Grabkirche der Conftantia, der im Jahre 354 geftorbenen Tochter 
Conftantins, ift das Tonnengewölbe des Umgangs in eine heitere Weinlaube 
verwandelt, in der fich kleine Eroten bei der Weinlefe tummeln, Erntewagen 
beladen und Trauben keltern; aber neben diefen Scenen fowie Vögeln, 
Bruftbildern, einer Pfychefigur kommen auch unverkennbar chriflliche Sinn- 
bilder, das Lamm mit dem Milcheimer, das Kreuz vor. Auch die längft 
untergegangene Mofaik der Kuppel enthielt eine decorative Theilung durch 
Karyatiden, welche gewiffermafsen die Rippen der Kuppel bildeten, und von 
denen claffifche Ornamente ausgingen, zwifchen ihnen biblifche oder fymbo- 
lifche Darflellungen und als unteren Rand einen Streifen Meer mit Fifchen, 
Waffervögeln, auf Barken fahrenden und Netze werfenden Genien2). 
Diefer decorative Stil mit feiner tändelnden Symbolik fagte auf die Dauer 
dem ernfieren chriftlichen Sinne nicht zu. Als der heilige Nilus (1- 450) über 
die Ausfehmückung einer Kirche befragt wurde, verwarf er die projectirte 
I) Hübjklz, Die altchrifilichen Kirchena Karlsruhe 1863, Taf. 26. 
2) Nach alter Copie bei Garurri, Taf. 204.  Proben aus dem Umgang 205
        

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