Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231569
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ErIles Buch. 
Erfter 
Abfchnitt. 
und auf Sarkophagen vorkommen, fo treten Bilder ähnlichen Gegenftandes in 
altchriftlichen Wandmalereien auf als Hindeutungen auf die Seligkeit des 
himmlifchen Freudenmahles. Ein rein aus dem Leben gegriffenes Bild, der 
Fifchßr- Fifcher, deutet, in Erinnerung an Chrifti Gleichnifs von den Menfchenfifchern, 
auf die Apoftel hin. 
Dann finden wir aber auch Geitalten, die wirklich_der chriftlichen Lehre 
Chriflus. angehören, und vor allen wurde Chriftus nicht blofs finnbildlich angedeutet, 
fondern bildlich hingeftellt. Mochte auch ein Theil der älteren Kirchen- 
väter an der Vorftellung fefthalten, dafs er auf Erden in unanfehnlicher Knechts- 
geftalt erfchienen fei, fo war die KunPc doch noch zu claffifch gebildet, um 
fich in folche Auffaffung finden zu können. Wie ihr kein Bild des hiftorifchen 
Jefus bekannt war, fo hatte {ie auch keine Abiicht, ein folches zu geben, 
fondern ging darauf aus, feine Göttlichkeit zu verfinnlichen. S0 fchuf fie einen 
jugendlichen, bartlofen Idealtypus des Heilandes, der {ich verwandten Götter- 
und Heroentypen der claffifchen Mythologie nähert. In diefer Geftalt, mit kurzem 
Haar, erfcheint Chriftus bei der Erweckung des Lazarus und bei andern Wundern. 
Ein abweichender Typus, der {ich in der Folge durch die mittelalterliche Kunit 
fortfetzt, kommt zwar nicht auf Wandgemälden der Coemeterien, wohl aber 
auf den dort gefundenen Goldgläfern, die wir fpäter noch erwähnen werden, 
vor l): er ift ebenfalls jugendlich und bartlos dargeitellt aber mit langem Haar, das 
ihm bis auf die Schultern wallt und vorn, glatt und geradlinig gefchnitten, in die 
Stirn hängt. In der Folge wird der bärtige Typus des Heilandes häufiger, den 
wir aber in den Kunftvverken der Oberwelt, den früheiten Mofaiken, beffer 
und in urfprünglicherer Form, als in den Katakomben, kennen lernen werden. 
Nlaria. Maria erfcheint als römifche Matrone und zwar zunächft gewöhnlich als 
nOfilnSu, mit betend erhobenen Händen. Eine ähnliche Geftalt kann aber 
auch als Perfonification der Kirche vorkommen, Lämmer zu ihren Füfsen, fo 
dafs fie dem guten Hirten entfpricht. In der Folge wird Maria auch fitzend, 
das Kind im Schofse, dargeftellt, {aber auch dann erhebt fie mitunter noch 
betend die Hände, ohne das Kind feftzuhalten, wie auf einem Bilde des Agnes- 
Coemeteriums. Im antiken Philofophentypus, ohne befondere Attribute, er- 
ixpoßerfcheinen die Apoftel, befonders Petrus und Paulus. Für diefe beiden 
bilden fich bald Typen heraus, die in einem gewiffen Gegenfatze zu einander 
Prehen. Kirchliche Kunitfchriftfteller haben hierin eine beftimmte, auf wirklichen 
Bildniffen beruhende Ueberlieferung über ihre Phyfiognomie vermuthet. Die 
Unterfuchung der Monumente lehrt dagegen, woher die Typen flammen. Die 
berühmte eherne Statue des heiligen Petrus in der Peterskirche, der Gegenftand 
gläubiger Verehrung, die in Jahrhunderten feinen Fufs durch ihre Küffe abge- 
fchliffen hat, in Wahrheit aber eine auf Petrus umgeftempelte antike Confular- 
ftatue, zeigt das kraufe Haar undjden kurzgefchorenen Vollbart, was dann für 
Petrus beibehalten wurde, Während man Paulus, in einfachem Gegenfatze, mit 
fchlichtem Haar und langem Barte darzuftellen pflegte. Ungefähr ähnlich, auch 
Propheten. im Philofophentypus des Alterthums, mit Schriftrollen, werden die Prophe- 
ten abgebildet. 
Tracht. Die Bekleidung der heiligen Geftalten iPr die römifche Tunica mit umge- 
Fifcher. 
Garucci, Vetri ornati 'l'af. 
18 f.
        

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