Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231411
Die erhaltenen NVcrkc der 
gricchi 
römifchen Malerei. 
155 
tinirte Maler keinen allzugrofsen Refpect vor den Originalen hatte, fondern 
mit denfelben, die er auch kaum felbft gefehen hatte, ganz nach Laune und 
nach feinem decorativen Bedürfnifs fchaltete. Vielleicht haben wir auch 
hier Muiterbücher und Vorlagen anzunehmen, welche in den Werkfiatten von 
Hand zu Hand gingen. 
Uebrigens werden jene Figuren und Täfelchen, welche untrennbare Be Ausnahmen. 
Handtheile der damals moderniien gemalten Arehitekturgerüiie bilden, auch 
ihrer Erfindung nach noch der Kaiferzeit angehören, und die Landfchaften, 
unter denen fich NViederholungen faft niemals finden, können, abgefehen von 
einigen wenigen, nur als Gattungen, und auch das nur theilweife, Nachbildungen 
helleniiiifcher Vorbilder fein. Dafs die einzelnen Bilder und Bildchen diefer 
Art in Campanien erfunden worden, beweift fchon ihr Anfchlufs an die dortige 
Küftenfcenerie. 
Es iit möglich, dafs die DecorationsNVerkPtätten von Rom und Unteritalien 
in der Regel von Griechen geleitet wurden. jedenfalls Pcehen aber der Maffe 
der helleniftifch empfundenen Decorationsmalereien mit allen ihren Einzel- 
gemälden jene römifch-eampanifchen Saeralbilder, jene Genrebilder, die wir 
als römifch-campanifches Genre bezeichnet haben, und Veduten, wie jenes 
Amphitheaterbild, fo fchroff in Auffaffung und Formengebung gegenüber, dafs 
fchon aus diefer Gegenüberftellung {ich ein klar ausgefprochener Gegenfatz 
zwifchen der einheimifchen römifch-campanifehen und der helleniftifchen Malerei 
in den unteritalifchen Städten zur Kaiferzeit ergiebt. Diefer Gegenfatz iii 
zugleich derjenige zwifchen dem einfachen Handwerke und dem höheren 
Kunftgewerbe. 
Durch welche Technik diefe Malereien, die den jahrtaufenden getrotzt Die Technik 
haben, auf die Wände gebannt waren, ift eine viel erörterte Frage. Ob Fresco- (ifiiecfijiiiiiiiiiiii 
malerei, Wachsmalerei, Harzmalerei, Temperamalerei oder ein gemifchtes Ver- gcmamm 
fahren, darüber find Streitfchriften über Streitfchriften gewechfelt worden. 
Durch den eingehenden Auffatz von Otto Donner, der He1big's Verzeichnifs 
der campanifchenWandgemälde als Einleitung beigegeben iii, wurde die Klärung 
der Frage wefentlich gefördert. Aufser der Harzmalerei ift auch die YVachs- 
malerei definitiv aus diefem Kreife verbannt. Donner felbit halt die Technik der 
campanifchen NVandmaIerei fo gut wie ausfehliefslieh für gutes Fresco: fowohl 
die Gründe als die darüber gemalten, dick darauffitzenden und abfpringenden 
Farben der dargeftellten Gegenitände. Da aber nach wie vor Küniiler, die 
felbit Techniker iind, angefichts der WVerke verfchiedener Anficht bleiben, ift 
die Entfcheidung fchwer. Auch wir möchten der Frescotechnik Weitaus den 
wichtigiten Antheil an der campanifchen Wandmalerei zufchreiben, doch nicht 
einen ganz fo umfangreichen, wie Donner. Dafs jene körperhaft pafios 
auffitzenden und, wenn fie abfpringen, den farbigen Wandgrund wieder un- 
bedeckt zeigenden Farben mit einem anderen Bindemittel auf die bereits ge- 
trocknete Malerei des Grundes aufgetragen, erfcheint uns wahrfcheiillicher. 
Wenn man übrigens die Jahrtaufenden trotzende Dauerhaftigkeit diefer Ma- 
lereien hervorhebt, fo möge man bedenken, dafs die meiften derfelben, wenig- 
Pcens in Pompeji, wahrfcheinlich erit kurz vor der Vernichtung der Stadte ge- 
malt, dafs fehr viele in ganz zeriiörtem Zuftande wieder ausgegraben worden 
Ünd und dafs die meiPcen, nachdem man fie ihrer fchützenden Hülle beraubt,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.