Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231257
Die erhaltenen Werke der 
Malerei. 
gricchifch-römifchen 
119 
Gemälde gedacht werden, die ebenfalls zu Paeiium ausgegraben worden und YYand- 
im Mufeum zu Neapel aufbewahrt werden. (Fig.3l.) Auf weifsem Grunde gilääliifnfo" 
find mit frifchen Farben einfache, aber inhaltreiche Scenen dargeflellt: Krieger, 
welche von der Schlacht heimkehren; die Weiber, welche {ie empfangen und 
ihnen Erfrifchungen darreichen; die daheimgebliebenen Landsleute der Sieger, 
welche diefe feftlich eingeholt haben und jetzt an ihre Arbeit zurückkehren. 
Unter den Kriegern fällt der bärtige Standartenträger, unter den waffenlofen 
Reitern ein Jüngling auf, der freudig auf feurigem Roffe dahinfprengt. Dafs 
wir es hier mit einer griechifchen Kunft zu thun haben, läfst {ich nicht be- 
weifen, ift aber wahrfcheinlich. Paeflum verlor feine hellenifche Selbflän- 
digkeit an die Lucaner, welche es im vierten Jahrhundert v. Chr. eroberten. 
Lucanifch und nicht griechifch find daher auch die Koftüme der dargellellten 
Perfonen; auch die Profile {ind nicht die reingriechifchen, wenigflens nicht die 
idealgriechifchen, fondern zeigen etwas von nationaler Individualität. Aber 
der Stil diefer Gemälde darf im Ganzen als ein fo rein griechifcher bezeichnet 
werden, wie er uns in anderen Wandgernälden nicht erhalten ift. Er fteht 
an der Wende zur völlig freien Entwicklung, und es fleht in der That nichts 
im Wege, anzunehmen, dafs es ein griechifcher Künftler gewefen iPt, welcher 
in Solde eines der lucanifchen Eroberer diefe Gemälde gemalt hat. Sie fmd 
von einer innerlich lebendigen und äufserlich ruhigen Grazie, wie fie eben, 
nur der griechifchen Kunft eigenthümlich gewefen ifl 1). 
Nachdem wir diefe intereffanten Proben alterthümlicher unteritalifcher Ma- Die__Waxul- 
lerci vorweg betrachtet, ftehen wir hier im Uebrigen einem ziemlich gleich-g-ftiiiiililflsrlir 
artigen, aufserordentlich umfangreichen Material gegenüber, nämlich den Wand- ttijlrrglliilllig: 
gemälden der im Jahre 79 n. Chr. durch den Vefuv-Ausbruch verfchütteten 
Städte Campaniens, Stabiae, Herculaneum und Pompeji. Diefe feit der Mitte 
des vorigen Jahrhunderts nach und nach der Welt zurückgegebenen Gemälde 
befinden llCh theils losgebrochen im Mufeum von Neapel, in deffen unterem Irläjculfäuäh 
Stockwerk fie weite Säle füllen 2)  theils noch an den Wänden, für die fie gAufbeiJrah-L 
gemalt worden. In Stabiac, wo man fchon lange aufgehört hat, Nachgra- nmiv 
bungen zu machen, {incl freilich keine Gemälde mehr an Ort und Stelle zu 
Pcudiren; in Herculaneum, wo man anfangs die wichtigflen Funde machte, 
jetzt aber nur langfam weitergräbt, find nur wenig Bilder noch an ihren Wän- 
den zu finden. In Pompeji dagegen, deffen Ausgrabungen feit dem Anfang 
des gegenwärtigen Jahrhunderts der günftigen Terrainverhältniffe wegen ganz 
in den Vordergrund getreten find, fchmückt gegenwärtig wohl die Mehrzahl 
aller aus dem Alterthume erhaltenen Wandgemälde noch diefelben Wände, 
denen der Zimmermaler {ie eingefügt. 
Um die Katalogiflrung, Gruppirung und kunftgefchichtliche wie künft-lhrgKaw 
lerifche Würdigung diefes reichen Materials hat (ich neuerdings W. Helbig die  
gröfsten Verdienfte erworben 3). In feinem Verzeichnifs der campanifchen 
I) Mon dell' Inll. 1865 V01. VIII, tav. XXI (Helbig) 
2) Die Anzahl der in verfchiedene Sammlungen Europas gelangten campanifchen Wandgemälde 
111 eine fo verfchwindend kleine, dafs wir iie neben der in Unteritalien verbliebenen Muffe nicht zu 
beriickflchtigen brauchen. 
3) WI Helbig: die Wandgemälde Campaniens, nebft einer Unterfnchung über deren Technik von 
Ülfv Darmer, Leipzig 1868.  W: Helöigr Unterfuchungen über die campanifche Wandmalerei,
        

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