Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231225
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Buch. 
Zweites 
Zweiter Abfchnitt. 
durch ein wichtiges Gemälde aus, welches eine ganze Claffe am trefflichflen 
repräfentirt. Es iPc die grofse Darftellung eines üppigen Gartens, welche alle 
vier Wände des Saales füllt, fo dal's der Befuchcr felbft in einem prachtvollen 
Luftparke zu ftehen glaubt 1). Im vollen Gegenfatze zu den Odyffeeland- 
fchaften ift hier die Abficht eine zugleich realiiiifche, nicht eine nur deco- 
rative. Ueber dem Sockel ift zunächft, als Vordergrund des Ganzen, ein 
von Stacketen eingefafster fchmaler Rafenftreifen gemalt. Zwifchen den 
Stacketen fpazieren hühnerartige Vögel, fprieffen Gras und Kräuter und blühen 
bunte Blumen; in nifehenartigen Einbiegungen des Stacketes erheben fich die 
ftattlichen Hauptbäume des Bildes, dunkle, energifche Nadelhölzer, und an 
einer Seite ein Eichbaum, in deffen Zweigen ein reizendes Vogelneit ange- 
bracht iFt. Den ganzen Hintergrund füllt ein dichter, anmuthiger Wald von 
Palmen und Fruchtbäumen der inannigfaltigften Art, die fich, fehr charak- 
teriftifch gebildet, aus einem Unterholz von Rofeniträuchern und anderen Blü- 
thenbüfchen erheben. Im fernlten Hintergründe wachfen Cypreffen. Die 
Horizontlinie iit hinter diefem blühenden und üppigen Dickicht als grüner 
Streifen angegeben. Darüber fteigt der blaue Himmel empor. Menfchlichc 
Staffage ift nicht dargeftellt, aber eine bunte Vogelwelt belebt den künftlichen 
Wald. Die Ausführung diefes Gemäldes ift, obgleich breit und flott, doch fehr 
naturalillifch, forgfältig und gediegen. Da jener Maler Ludms (oder wie er hiess) 
nach Plinius diefe Gattung erfunden, und da das in Rede {tehende Gebäude 
der kaiferlichen Familie zur Zeit des Ludius angehört hat, fo wäre es nicht 
unmöglich, dafs, wie fchon Brunn bemerkt hat, diefer Maler das Gemälde 
eigenhändig ausgeführt hätte. Es würde dann als einziges erhaltenes Gemälde, 
welches von der Hand eines durch die Sehriftquellen bekannten Künftlers 
herrührte, von ganz befonderem Intereffe fein. Aber beweifen läfst {ich diefe 
Hypothefe nicht. 
Gemiilde- In der Stadt Rom felbft haben üch in den verfchiedenen grofsen Ther- 
gZÄSfÄi-KEJZÄ men nur fchwache Refte ihrer einftigen Gemälde erhalten; bedeutende Refte 
133mm" iind, von einzelnem weniger Wichtigen abgefehen, hauptfächlich in den erft 
unter Napoleon III. auf dem Palatin ausgegrabenen Kaiferpaläfien gefunden 
worden. Auf die Malereien der hier befindlichen, fchon länger bekannten 
fegen. Bäder der Livia will ich nicht eingehen; ebenfowenig auf einzelne 
Bildchen, die {ich im Palafte des Caligula gefunden haben. 
Haqsnei-  Vor allen Dingen zeigt das Haus der Livia in verfchiedenen Sälen wohl- 
Lma" erhaltene und wichtige Malereien 2). Von den mythologifchen Gemälden 
des gröfsten Raumes diefes Haufes, des tablinum, enthält das eine die 
Darftellung der von Arges bewachten und von Hermes befreiten I0, die 
möglicherweife an die alte Darltellung des Nikias, jenes Zeitgenoffen Alexan- 
ders des Grofsen, anknüpft (fiehe oben S. 36); das andere zeigt eine echt 
helleniftifche Scene, die den Eindruck einer grofsen mythologifchen Land- 
fchaft macht. Es ilt die Sage von der Liebe zwifchen dem Kyklopen Poly- 
phem und der fchönen Meernymphe Galateia. Von einem Eros gezügelt, fleht 
l) Theilweife publicirt in der Leipz. lllnftr. Ztg. vom 30. Nov. 1367. 
2) Publicirt in der Revue archeologique XXI, Mai 1870. Photographien der Gemälde nach 
Aquarellen, zufnnxmengebtlnclen unter dem Titel: Plan et peintures de la maison paternclle de 
(Tibere Cäsar.
        

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