Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231159
der griechifch-römifchen Malerei. 
Werke 
Die erhaltenen 
109 
architektonifchen Gliederungen in Verbindung gefetzt, fpäter, aber immer 
noch in der guten alten Zeit, habe man Gebäude, Säulen und Giebel nach- 
gebildet, dabei offene Räume mit Bühnenhintergründen, Gänge mit Land- 
fchaften, andere Orte mit mythologifchen Gemälden gefchmückt, kurz man 
habe Dinge an die Wände gemalt, welche als getreue Nachbildungen der 
Wirklichkeit erfchienen. uAbefn, fährt Vitruv fort, awas die Alten aus dem 
Kreife der wirklichen Dinge {ich zum Vorwurf nahmen, wird von der gegen- 
wärtigen verderbten Mode verfchmäht. Denn auf den Wänden werden vielmehr 
abenteuerliche Mifsgefialten, als wirkliche Nachbildungen von beilimmten 
Dingen gemalt, an die Stelle der Säulen z. B. werden Rohrftengel, an die 
Stelle der Giebel gefiriemte und gefchweifte Zierrathen mit kraufen Blättern 
und fpiralförmig verfchlungenen Ranken gefetzt; Candelaber ftützen die Tem- 
pelchen; über den Giebeln fproffen aus dort wurzelnden Gewächfen mehrere 
zarte Stiele mit geringelten Ranken, auf welchen in finnlofer lIVeife Figuren 
fitzen; ja fogar aus den Blumemwelche die Stengel treiben, kommen Halbfiguren, 
bald mit menfchlichen, bald mit Thier-Köpfen zum Vorfcheinen 1). 
Diefen von Vitruv gefchilderten Entwicklungsgang der Wanddecorationen 
des helleniftifch-römifchen Alterthumes können wir fowohl an den erhaltenen 
campanifchen, als an den römifchen Malereien noch heute verfolgen. Die mei- 
Pcen Wanddecorationen. von Herculaneum und Pompeji zeigen, ihrer Entftehungs- 
zeit entfprechend, den jüngeren, von Vitruvius fo bitter angefeindeten Stil. Da- 
neben finden wir aber gerade dort einzelne erhaltene Beifpiele der älteren, ja 
fogar Analogien zu der älteften von Vitruv gefchilderten Art. In Rom dagegen 
können wir eine mittlere Phafe der Entwicklung, nämlich den Uebergang von 
der älteren, folideren architektonifchen Wandgliederung zu den moderneren 
Phantailereien in befonders klarer Weife an charakteriftifchen Beifpielen ver- 
folgen. Die jüngere, grotteske Decorationsweife zeigten z. B. die Wände der 
Trümmer von Nero's goldenem Haufe unter den Titusthermen. Raffael und 
Giovanni da Udine fahen und zeichneten diefe, eben nach den unterirdifchen 
ßGrottenw, in denen fie zum Vorfchein kamen, uGfotteskenn genannten Male- 
reien und verpflanzten {ie in die Loggien des vaticanifchen Palaftes. Den 
ftrengeren älteren Stil, der die gemalte architektonifche Gliederung noch aus 
Pilaftern und Säulen, die wirklich tragen und ftützen können, beitehen läfst, 
zeigen z. B. die Trennungspfeiler der 1848-1850 auf dem esquilinifchen Hügel 
zu Rom ausgegrabenen Odyffeelandfchaften, die fchon ihrem Inhalte nach der 
älteren, zuerft von Vitruv genannten Claffe angehören. Die Wanddecorationen 
des I-Iaufes der Livia dagegen, welches 1869 auf dem Palatin aufgedeckt wurde, 
gehören einem Uebergangsfiil von der natürlicheren zu der phantaftifcheren 
Malweife an. Strenger architektonifch aber wirken wiederum die gemalten 
Pilailer einer neuerdings "auf dem Quirinal aufgedeckten Wanddecoration2). 
Eigentliche Gemälde nehmen nur in feltenen Fällen die ganzen Wände 35233551" 
ein; in der Regel bilden fie Beftandtheile der gedachten architektonifch geglie-ißljjfljgfflfj" 
derten Decoration; in der ganz leichten Gattung pflegen diewirklichen Gemälde 
wie umrahmte Bildchen eingefetzt zu fein. Ihre künfilerifche Würdigung können 
di 'R0l113; 
I) Ueberfetzung von E Reben Stuttgart 1865. 
2) Bulletino della "Commissioxle archeologica communale 
187 7, tav. 
III.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.