Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231129
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Buch. 
Zweites 
Zweiter Abfclmitt. 
gegen das eindringende Hellenenthum glaubt man gerade in diefen Gemälden 
C-rcrgsifloflsl deutlich zu erkennen. (Fig. 26). 4) Grotta del corfo delle bighe  Es Iind 
Spiele, Tanzfcenen, Wettfahrten und Gaftfchmäufe dargeftellt. Die Zwiege- 
fpanne haben blaue oder grüne und rothe Pferde. Daneben ift die Zeichnung 
auffallend frei und vielleicht nur abfichtlich alterthümlicher gehalten, als es 
dem Maler geläufig war. 
So geben uns die Gräber von Corneto einen hübfchen Ueberblick über 
die gefamrnte archaifche Malerei der etruskifchen Gräber. Einen anderen Ent- 
chaurtwicklungsgang zeigen die Gräber von Chiufi 2). Wir finden hier fchon in 
der alten Zeit eine entfchieden und mit Liebe auf griechifche Vorbilder ein- 
gehende Schule, neben der aber, in anderen Gräbern vertreten, eine entfchieden 
unabhängige einheimifche Richtung hergeht. Die der Zeit des Schwindens 
Cläläafßli des Archaismus angehörigen Gemälde des f. g. Grabes von 1833 zu Chiufi 
 find vielleicht die älteften, in denen man eine richtige Profilfiellung der Augen 
conftatiren kann. Auf diefe und auf andere Grabgemälde näher einzugehen, 
fehlt es hier an Raum. 
Freier am. Mit der archaifchen Zeit hörte die Luft, Grabkammern mit Gemälden zu 
fchmücken, in Etrurien aber keineswegs auf. Allen bisher befprochenen gegen- 
1 über ift eine ebenfo grofse Reihe etrurifcher Wandgemälde zu betrachten, 
welche der Zeit völlig freier Entwicklung, die hier wohl erPr im dritten Jahr- 
hundert vor Chr. eingetreten fein kann, angehören. In diefer Zeit fehen wir 
überall die national etrurifche Richtung, in welcher bei dem angeborenen Realis- 
mus die Freiheit zur Rohheit geworden ift, einer durchaus helleniiirenden 
Richtung das Gleichgewicht halten: bald in getrennten Gemälden, die dann 
entweder der einen oder der anderen diefer Richtungen angehören, bald in 
einem und demfelben Werke. Schöpfungen der letzteren Art lind vielleicht 
die lehrreichiten. Sie haben etwas von der ungefähr auf demfelben Boden 
16-1700 Jahre fpäter blühenden toscanifchen Kunft, welche ihr einheimifches 
realiflifches Formengefühl ebenfalls mit einem erneuten Studium des clafiifchen 
Alterthums in Einklang zu fetzen fuchte. Die Gemälde, welche dem voll 
freien Stil angehören, lind durch ihre Kenntnifs der Körperformen, ihre Be- 
herrfchung aller Bewegungsmotive, ihre Fähigkeit, beliebige Verkürzungen 
darzuitellen, durch ihre natürliche Wiedergabe der Farben der Wirklichkeit 
 und oft auch durch ihre farbige Modellirung mit Licht und Schatten fehr klar 
charakteriflrt. Befonders hervorgehoben zu werden verdient, dafs, entfprechend 
dem immer weiter greifenden Hellenismus der Zeit, auch die Geftalten der 
griechifchen Mythologie jetzt Eingang in die Gräber Etruriens finden. Hier 
können nur einige der wichtigften hervorgehoben werden. 
cäsariäiztrgn Zwei verfchiedene Hände erkennt man in den beiden Hälften des zweiten 
"der 1863 von Coneftabile bei Orvieto geöffneten Gräber 3). Wir laffen 
 diefes Grab bei Seite, um uns fofort den intereffanteften und bezeichnendften 
Werken der jüngeren Epoche zuzuwenden. Hierher gehören vor allen Dingen 
oraeleäcivon verfchiedene Gräber von Vulci, in eriter Linie das aus neun Kammern be- 
Muf. Gregor. I. t. x01. 
M011. dell' Infl. 1850. V01. V. 
Coneßabile, Pitture murali etc.
        

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