Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231087
Zweites Buch. 
Zweiter Abfchnitt. 
fafsten Kunllübung der Etrusker lind lie von hochbedeutendem kunllgefchicht- 
lichen Intereffe, und als falt ununterbrochen fortlaufende Reihe, die wir von 
den primitivlten Anfangen durch alle Entwicklungsliadien hindurch bis zur 
Formlofigkeit des Verfalls verfolgen können, liehen lie einzig unter allen 
antiken Wandgemälden da. 
C Groß-w Die ältelten Malereien ünd in der f. g. Grotta Campana 1) zu Veji erhalten. 
ampann" In vier umrahmten, je 1,28 M. breiten und von 0,80-O,96 M. hohen Feldern 
finden floh hier z. B. auf gelbgrauem- Grunde primitive Darltellungen eines 
Reiters auf buntfcheckigem,'langbeinigem Roffe, hinter dem ein Panther 
litzt, u. f. w. Die Gegenflände, wie die Ornamentik und der roh decorative 
Stil erinnern an alt-orientalifirende Vafen. Die Zeichnung ifl unglaublich kind- 
lich, die Farbengebung ganz willkürlich und auf braun, roth und gelb befchränkt- 
Es lind die einzigen erhaltenen Wandgemälde in Italien, deren Entftehung 
wahrfcheinlich über das Jahr 500 v. Chr. hinaufreicht. 
33:13:23 Als die nächften dem Alter nach lind die Malereien anzufehen, welche 
 auf Terracottaplatten eines Grabes von Caere gefunden wurden 2). Sie repräfen- 
tiren einen mehr oder weniger rein etruskifchen Archaismus, welcher in Dar- 
ltellungen des wirklichen Lebens eine porträthaft naturaliliifche Treue erftrebt, 
diefelbe aber nur in den Grenzen einer primitiven Technik erreicht. Scenen 
des Todtencultus lind dargeftellt: ein Leichenzug, ein Opfer; auf einen alter- 
thümlich prolilirten bunten Altar zu bewegen {ich lieif und unbeholfen von bei- 
den Seiten Männer und Frauen. Ein geflügelter Dämon erfcheint mit dem Ver- 
ftorbenen im Arme. Die Compofition ill: lieif-fymmetrifch und reliefartig. 
Die Gellalten lind fammtlich im Profil gezeichnet; die Augen erfcheinen noch 
unperfpectivifch, wie von vorn gefehen; die Proportionen lind plump. Die 
Figuren heben fich in wenigen düliern Farben (rothbraun, gelbbraun, gelb, 
fchwarz) vom Weifsen Grunde ab. Die Frauen lind heller dargeflellt, als die 
Männer. Von einer Modellirung und einer Schattirung ili noch keine Rede. 
So zeigen uns diefe Bilder die Malerei auf einer Stufe, der die alten Schrift- 
lteller als einer primitiven Entwicklungsltufe auch der griechifchen Malerei vor 
den Fortfchritten eines Kimqn von Kleonai gedenken. Man wird fle etwa dem 
Jahre 500 zufchreiben dürfen. 
Archaifcher Konnten wir die Malereien von Veji und Caere als die ältelten vorweg be- 
coäigggotind trachten, fo müffen wir uns jetzt einer grofsen Gruppe etruskifcher Grabgemälde 
China" zuwenden, welcher die Merkmale des archaifchen, des noch alterthümlich 
gebundenen Stiles gemeinfam aufzuweifen haben, aber nach Ort und Zeit ihrer 
Entliehung in verfchiedene kleinere Gruppen liCh zerlegen laffen. Nicht nur 
laffen lich bedeutende, mit der Zeit gemachte Stilfortfchritte einiger diefer 
Gruppen über die anderen hinaus erkennen, fondern auch der Einflufs der 
griechifchen Kunlt tritt dem national-etruskifchen Streben gegenüber bald 
mehr zurück, bald drängt er flch eindringlicher vor. Diefer Stilentwicklung 
gehören vorzugsweife die Gräber von Corneto und Chiufl an.  
1) Ihren Namen haben alle diefe nGrottena genannten Gräber, ähnlich den pompejanifchen 
Häufem, aus verfchiedenen Anläffen erhalten; die einen nach ihrem Entdecker, die anderen nach dem 
Eigenthümer des Grundftückes, in dem He gefunden, noch andere nach auffällenden Funden, die in 
ihnen gemacht, oder nach befonderen Darfcellungen ihrer Gemälde. 
z) Publicirt von Brunn, Mon. delP Init. 1859, VI, tav. 30. Ann. S. 325 E.
        

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