Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1231051
Malerei. 
Die erhaltenen Werke der griechifch-römifchen 
von Florenz aufbewahrt wird 1). Kämpfende Amazonen {ind dargeftellt. An 
der fchönften der Langfeiten kämpfen f1e von Viergefpannen herab gegen die 
Griechen; an der befchädigten gegenüberliegenden Langfeite kämpft Wenigftens 
eine Amazone zu Pferde; an den kurzen Seiten Pcreiten fie zu Fufs. Die 
Compofitionen find fehr ftreng. An jeder Seite nimmt die Mitte den Blick des 
Befchauers zunachft gefangen, und zu beiden Seiten find die Gruppen in 
ftrengiter Symmetrie angeordnet. Auch ift fo wenig von Vordergrund und 
Hintergrund die Rede, dafs die Conturen der einzelnen Geftalten einander 
nur an einzelnen Stellen überfchneiden. Trotzdem ift jede Gruppe vom feurig- 
ften Leben durchdrungen, und die Formen und der Ausdruck gehören der 
Zeit vollkommen entwickelter künftlerifcher Freiheit an. Jene fymmetrifche Ge- 
bundenheit ift offenbar freiwillig gewählt, weil fie dem decorativ-ornamentalen 
Zwecke der Darftellung angemeffener erfchien. Dem entfpricht auch die Farben- 
gebung. Die Figuren heben {ich von einem bläulichen, an den Schmalfeiten 
faft fchwarzen Grunde ab; ihre Farben flnd einfach, aber lebhaft und von 
einer bezaubernden Feinheit der Zufammenftimmung. 
Der Fundort und die etruskifchen Infchriften des Sarkophags laffen keinen 
Zweifel darüber, dafs wir es mit einem Werke inländifcher Kunftindultrie zu 
thun haben. Auch liegt kaum ein Grund vor, die ausführende Hand für eine 
griechifche zu halten, wenngleich der Hellenismus {ich auch hier in der Em- 
pfindung jeder Linie geltend macht. Wir dürfen diefe Gemälde für die reifften 
uns erhaltenen Früchte der von griechifcher Kunft getränkten etruskifchen 
Malerei erklären. Der Zeit nach find fle in das dritte Jahrhundert vor Chriftus 
zu fetzen. Niemand Wird fie ohne lebhafte Ueberrafchung und Bewunderung 
betrachten können. 
MINIATUREN. 
Unter Miniaturen verfteht die Kunftgefchichte Illuftrationen von hand- Allgemeines. 
fchriftlichen Werken. Dafs diefer der Kalligraphie verwandte Kunftzweig uralt 
ift, haben uns bereits die oben (S. I9--20) befprochenen Vignetten ägyptifcher 
Papyrusrollen gezeigt. Auch die griechifch-römifche Bücherfabrication kannte 
derartige, zum Texte des Manufcriptes gehörige Abbildungen. Wir wiffen, 
dafs Aerzte und Architekten ihre wiffenfchaftlichen Werke durch Illuitrationen 
zu erläutern pflegten und dafs Marcus Varro z. B. fein grofses biographifches 
Werk ndie Bildern mit {iebenhundert Porträts griechifcher und römifcher 
Berühmtheiten gefchmückt hatte. 
Erhalten find uns nur Miniaturen, die aus der Verfallzeit griechifch-römifcher Nläxgäälltltärlg: 
Kunft flammen. Da. die chriftlichen Manufcripte in diefem Zufammenhange,   
auch wo fie derfelben Zeit und demfelben, noch von altclafiifchen Traditionen 
zehrenden Stile angehören, hier noch nicht befprochen werden können, fo 
haben wir nur kurz der wichtigften Illuftrationen griechifcher und fömifcher 
poetifcher Werke zu gedenken. 
Am reinften haben clafiifche Formen und Motive {ich in den 58 Miniaturen 
A 
I) Publicirt von Klügrnann, in den M0numenti'dell' Inftituto 1873, tav. LX. VEL Almaii 1873 
S- 239 5- Neuerdings iPt ein zweiter, fchwächer bemalter Sarkophag in COTYICW gefunden; vergl. 
Bulletino 1874 S, 176,
        

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