Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226696
die eine, der ja nur eine Figur zu fehlen scheint27), vollständig 
bieten wollte, so hat man aus dem östlichen Giebelfelde die be- 
treffende Figur, welche zu fällig erhalten war, auf unsrerAbbildung 
in die westliche Gruppe versetzt. Was wird nun in der Gruppe 
dargestellt? Von beiden Seiten drängen Kämpfer angreifend 
aufeinander los nach der Mitte zu, wo ein Verwundeter liegt, 
den einer fortzureifsen sucht; und zwischen diesen beiden steht 
ein Weib in Waffen, also eine Göttin oder eine Amazone. Die 
Amazonen aber sind stets kurz geschürzt; dieses Weib trägt 
ein langes Gewand und führt als Panzer die vquasten- 
umbordeteu Ägis über der Brust: also ist es Pallas Athene. 
Aber wer ist der Verwundete? wer sind die Streitenden? Die 
Helden sind gleichartig bewaffnet und alle nackt bis auf zwei 
Bogenschützen ; von diesen trägt der linke griechischen Panzer: 
es werden also auf dieser Seite Griechen kämpfen. Sein Gegen- 
mann trägt eng anliegende Hosen und eine Jacke, die schuppig 
bemalt waren, dazu einen eigenartigen Filzhut mit vorn einge- 
ringelter (teilweise ergänzter) Spitze. Das giebt uns weitere 
Auskunft, denn das ist die Tracht asiatischer VölkefsCllafterl. 
Es kann sich also blofs handeln um einen Kampf mit den 
vielleicht eben besiegten Persern, wenn des Kunstwerkes Ent- 
stehung so spät anzusetzen ist, oder um einen Kampf gegen 
die Troer. Da die griechische Kunst damals aber die grofsen 
Ereignisse der Gegenwart noch nicht in Statuen darzustellen 
pflegte, so ist ein Kampf gegen die Troer anzunehmen. Aber 
um welche Scene handelt es sich? Vermutlich um eine solche, 
wo ein äginetischer Heros Ruhm erntete, und dies ist um so 
wahrscheinlicher, da auf der Ostseite, auf die wir uns nicht 
weiter einlassen werden, der aus Ägina stammende Held Te- 
lamon verherrlicht war. Also eine Heldenthat seines Sohnes, 
des gewaltigen, in den alten Epen gepriesenen Aias, der vor 
Troia hohen Ruhm erwarb, wird der Gegenstand des Kunst- 
Werkes sein. Wer ist der Gefallene? Patroklos oder Achilleus, 
So viel ist klar, aber welcher von diesen beiden, das bleibt 
unsicher und ist auch ziemlich gleichgültig 2d). Handelt es 
Sich doch in erster Linie nur darum den Gedanken auszu- 
drücken: Äginetische Helden sind Vorkämpfer des Griechen- 
tums unter dem Schutze der Pallas, Welcher dieser Tempel 
geweiht war. 
Auf griechischer Seite ist ein Held gefallen: da eilt von 
der Troer Seite (rechts) ein Mann heran, um den Verwundeten- 
111 sich hinüber zu ziehen; ihn deckt ein troischer Held mit 
Schild und gehobener Lanze. Aber der Versuch soll ihm nicht 
gelingen; denn Aias stürmt alsbald herzu und schützt kraft- 
V0ll den Gefallenen. Da entbrennt der Kampf von neuem. 
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