Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226680
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Kunst, 
Die griechische 
das andere ist die Wiederh olung; das aber hat der Künstler 
hier mit gutem Grunde nicht angewandt. Man denke sich die 
beiden Jünglinge in ganz gleicher Aufstellung, beide mit den- 
selben Füfsen vorn, so würden sie aussehen wie zwei auf- 
marschierte Krieger, die zwar beide jeder für sich denselben 
Zweck wie der andere verfolgten, aber nicht beide gemein- 
schaftlich nur einen, wie das jetzt zu Tage tritt, wo beide 
mit den nebeneinander stehenden Füfsen ausfallen und der 
Schwerpunkt der Handlung gewissermafsen zwischen beide 
gelegt wird. Zugleich wird auch die Gruppe durch diese 
Stellung, indem die äufseren Glieder auf beiden Seiten zurück- 
treten, fürs Auge gleichmäfsig abgerundet. Endlich wird, 
indem der eine ein Wenig hinter dem andern zurückbleibt, 
der weite Zwischenraum zwischen den gespreizten Beinen 
durch das Hineintreten des einen Beines des Nebenmannes 
gefüllt. So finden wir bereits in dieser Gruppe die hohe 
Weisheit der griechischen Kunst offenbart.  Kritios hat, wohl 
mit Nesiotes zusammen, im Jahre 478 das Original in Erz 
geschaffen; von_ wem die Nachahmung in Marmor herrührt, 
ist unbekannt. 
Die sogenannten Aegineten. Eine weit zahlreichere 
Gruppe aus Marmor, die im Original auf uns gekommen ist, 
zeigt uns die folgende Abbildung (Taf. 11, Fig. 8.  Zur Zeit 
der Perserkriege wurde auf Ägina zu Ehren der Pallas ein 
Tempel erbaut, von dem noch bedeutende Reste erhalten sind. 
Er war dem Poseidontempel in Paestum ähnlich, nämlich ein 
hypäthraler (s. S. '53) Peripteros (s. S. 58) hexastylos (s. S. 59) 
mit I2 Säulen an der Längsseite. Die Säulen sind schlanker 
als dort; das Material ist Sandstein, der mit feinem Stuckwerk 
überzogen und dann übermalt war; nur Dach und Gesimse, 
die nicht mehr stehen, waren aus Marmor. Die Giebeldrei- 
ecke dieses Tempels waren mit Werken der Skulptur geschmückt 
und das Dach an den Ecken wie über den Giebeln mit 
bedeutsameren Gegenständen geziert. Der gröfsere Teil dieser 
Skulpturen wurde, freilich zertrümmert, im Jahre 1811 in 
den Ruinen des Tempels wiedergefunden. König Ludwig von 
Bayern, damals Kronprinz, kaufte sie an, gewann den berühm- 
ten, an klassischer Kunst gebildeten dänischen Bildhauer Thor- 
waldsen, um sie zu ergänzen, und liefs sie, nachdem diese 
Aufgabe glänzend gelöst war, später in der von ihm begrün- 
deten Sammlung von Skulpturen (der Glyptothek) in München 
aufstellen. Es sind, von Unbedeutenderem abgesehen, fünf- 
zehn Statuen erhalten, von denen zehn der Gruppe in dem 
westlichen, fünf der in dem östlichen Giebel angehörten. Da 
die beiden Gruppen unter sich ähnlich waren und man gern
        

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