Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226672
in die rechte Hand zu geben, wie es Gruppe Ö zeigt. 
Die auf unserem Bilde links stehende Figur gilt als Aristo- 
geiton, die andere als Harmodios. Dieser, der jüngere, stürmt 
mit gezücktem Schwert auf den Gegner vor; ihm zur Seite, 
aber etwas zurückstehend, ist der ältere Aristogeiton, der 
Schiitzend den Mantel wie einen Schild ausbreitet und in der 
rechten Hand für den Notfall das Schwert hält. Es ist auf- 
fällig, wie sich hier statt der früheren Steifheit Lebendigkeit 
und Bewegung, ja eine gewisse Leidenschaft zeigt in dem ge- 
schlossenen, unwiderstehlichen Anrücken der beiden Helden. 
Auf vorgestreckten Beinen ruhen die Körper in der Ausfall- 
stellung, die beiden anderen Füfse berühren elastisch nur 
noch mit den Ballen den Boden. Die Körper, besonders die 
Beine, sind sehnig und kraftvoll gebildet, der Naturwahrheit 
nahekommend, aber etwas hart. Auffallend verschieden sind 
die Köpfe: Harimodios hat das bekannte Lächeln um den 
Mund, hochsitzende Ohren, regelmäfsig gelocktes Haar, wäh- 
rend Aristogeitons Kopf viel freier behandelt ist. Das erklärt 
sich dadurch, dafs der letztere nicht ursprünglich zu dieser 
Statue gehört, sondern ihr erst später aufgesetzt worden ist, 
wenn er auch noch antik ist. Die Baumstämme neben den 
Figuren sind Notbehelfe des Künstlers, der dies Werk aus 
Erz in Marmor übersetzte. Der Stein ist zu spröde, um bei 
solchen Stellungen sicheren Halt zu gewähren; da macht sich 
eine Stütze nötig. Beide Figuren sind nackt, das Wehrgehenk 
des Hannodios, das von der rechten Schulter zur linken 
Hüfte eine Spur auf der Statue hinterlassen hat, war wohl nur 
gemaltw), der Mantel aber ist nicht als Gewand, sondern als 
Schutzwaffe gedacht. Es widerstrebte dem griechischen Sinn, 
Heldengestalten in der Tracht der Wirklichkeit wiederzugeben; 
dem Charakter ihrer That entsprechend wurden sie in he- 
roischer Nacktheit dargestellt. 
Zwei freistehende Gestalten erscheinen hier  das ist der 
grofse Fortschritt gegen früher  vereinigt zu einer Gruppe; 
so nennt man eine Zusammenstellung von Figuren, welche 
durch eine einheitliche Idee zu einander in Beziehung stehen, 
wie es hier der Fall ist. Da der Anteil der Handelnden ein 
gleicher oder fast gleicher ist, so treten auch beide gleich ge- 
wichtig auf; doch da der Angriff früher Clntritt, als der Schutz, 
so stehen beide zwar nebeneinander, aber der schützende, 
Aristogeiton ein klein wenig zurück. Die Glieder der beiden 
sind nach dem Prinzip des Gegensatzes angeordnet: denn die 
linken Glieder des einen entsprechen in ihrer Bewegung den 
rechten des andern. Dies ist das eine Mittel, um Gleich- 
gewicht der einzelnen Teile bei einer Gruppe zu erreichen; 
Menge, Antike Kunst. 2. Aufi. Ö
        

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