Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226526
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griechische Kunst. 
Die 
Gebälk, über dem etwas zu fehlen scheint, was die Spitze 
des Dreiecks ausfüllte, vielleicht das Haupt der Medusa (s. Taf. 
23, Fig. 9) Ü). Zu beiden Seiten derselben sind aufgerichtete, 
mit den Vorderfüfsen auf dem Altar stehende Tiere dargestellt, 
die man für Löwen ansieht. Die jetzt fehlenden Köpfe waren, 
wie die noch vorhandenen Löcher beweisen, aus besonderen 
Stücken angesetzt und nach auswärts gerichtet, dem Nahen- 
den entgegengewandt. Sie sollten wohl die Wächter des 
Thores vorstellen. Dieses Werk, mit dem nur wenige uralte 
Überreste Ähnlichkeit haben, gehört jener Zeit an, da noch die 
dem Orient entstammenden Einwanderer den Griechen ihre Vor- 
bilder für ihre Kunstwerke, vielleicht diese selbst, lieferten 15). 
Den späteren Griechen erschienen sie fremdartig. 
Ebenso, nach orientalischen Vorbildern gemacht sind 
die auf der Burg von Mykenae gefundenen G-rabplatten, 
von denen eine Taf. 7, Fig. 4 darstellt. Dieselbe ist am 
Fufse 1,18 m, oben 1,10 m breit und 1,85 m hoch. Sie 
zeigt ein eingerahmtes reliefbedecktes Feld, dessen oberer 
Teil untereinander verbundene Spiralen enthält, während wir 
unten einen Krieger auf einem zweirädrigen Einspänner ein- 
herstürmen sehen, vor dessen Rosse ein mit dem Schwerte 
bewaffneter Krieger vorauszutanzen scheint. Lebhaft und 
deutlich sind die Bewegungen, aber alle Figuren zeigen noch 
wenig Verständnis, und den Raum auszufüllen vermag der 
Künstler noch nicht recht: er bringt an den leeren Stellen 
einfach Spiralen und Wellenlinien an. 
Ähnlichen Charakter zeigen eine Anzahl Werke der 
Kleinkunst, die wir in Ermangelung von gröfseren Kunst- 
werken hier zur Besprechung bringen, um von jener Zeit eine 
etwas deutlichere Anschauung zu geben. Sie gehören teilweise 
den Gefafsen, gröfstenteils den Metallarbeiten an. Taf. 7, 
Fig. 5 zeigt eine Scherbe eines weitgeöffneten Gefä fses, die 
in Mykenae gefunden wurde. Es war freihändig bemalt; die 
Fläche war durch breite Längsstreifen in mehrere Felder zer- 
legt; innerhalb dieser erhebt sich ein pflanzenartiges Orna- 
ment, das aus halber Höhe in geschwungenen Linien rechts 
und links nach unten Ranken entsendet, während der Stamm 
in einen spitzen Winkel ausläuft, aus dem sich nach rechts 
und links Spiralen entwickeln. Diese Spiralen sind nebst Ro- 
setten, Bogenlinien, Zickzack und öfters auch Blattformen die 
Hauptverzierungsmittel jener Zeit. Dies beweisen auch die 
zu Tausenden in Mykenae gefundenen goldenen Knöpfe, 
(Taf. 7, Fig. 6), welche wahrscheinlich zur Verzierung fürst- 
licher Gewänder gedient haben. Besonders schön ist die mit 
Rosetten mannigfachster Art übersäete Steph ane aus Mykenae,
        

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