Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226441
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Die Kunst 
des Orients. 
Über einigen Halbkreisen spriefsen Lotosstengel und -Blüten 
hervor, welche den noch freien Raum füllen. Drei treppen- 
artig übereinander vertretende Platten mit senkrechten Ein- 
schnitten schliefsen das Kapitell nach oben ab. Die Säulen 
sind teils wirklich als Stützen verwendet, teils dienen sie, wie 
in Agypten, blofs zum Schmuck. Von sonstigen Zierraten 
weisen einige, wie Sonnenscheibe und Sphinx auf Agypten, 
andere auf Griechenland hin. Vom Gewölbebau sind nur 
sehr dürftige Spuren erhalten, aber immerhin genug, um es 
als zweifellos erscheinen zu lassen, dafs man diese Bauweise 
gekannt hat. 
Für das Studium der lahönikischen Plastik sind besonders 
die zahlreichen Funde, welche man auf Cypern gemacht hat, 
ausgiebig, während das Mutterland nur wenig bietet. Der 
Künstler im syrischen Küstenlande hatte keinen geeigneten 
Stein zur Verfügung, daher war er auf Thonbildnerei ange- 
wiesen; und dafs er als Vorbild nicht die Natur, sondern die 
Kunstwerke anderer Völker nimmt, daran ist wohl der Um- 
stand mit schuld, dafs die landesübliche Tracht die Körper- 
formen durchaus verhüllte. So finden wir in Phönikien erst 
Nachahmung der Agypter, dann der Assyrer, endlich der 
Griechen. 
Solclf eine Nachbildung einer griechischen Vorlage ist die 
Taf. 5, Fig. 9 mitgeteilte Thonügur. Es ist ein aufrecht 
stehendes, bekleidetes Weib mit enganliegenden Armen, dessen 
Höhe 23 cm beträgt. Der linke Fufs ist vor den rechten 
gestellt, die Hände sind geschlossen. Der Kopf ist breit und 
grofs, das Ohr tritt stark hervor; das (lichte, gescheitelte Haar 
fällt teilweise in den Rücken, wo es in horizontale Streifen 
geordnet ist, teils fällt es in vier grofsen, mehrfach gegliederten 
Locken vorn über die Brust herab. Die Bekleidung besteht 
aus einem Untergewand und einem purpurnen Mantel mit 
grünen Streifen, der jenes überschneidet und vorn eine Anzahl 
Falten bildet. An der linken Schulter wird er durch eine 
Agraffe festgehalten. 
Anders gestaltete sich der Einfiufs des Auslandes auf 
Cypern. Mit Assyrien scheint dieses in unmittelbare Be- 
rührung gar nicht gekommen zu sein. Es hat den assyrischen 
Stil nur in phönikischen Nachahmungen kennen gelernt, die 
dann in Cypern weiter umgebildet wurden. Dagegen steht 
es in unmittelbaren Beziehungen zu Agypten, und zu einer 
Zeit. als im eigentlichen Phönikien schon allgemein die 
griechische Kunst mafsgebend war, um 600 v. Cl1r., ist auf 
Cypern der Eintlufs ägyptischer Vorbilder unverkennbar, wenn 
auch die Künstler immer eine gewisse Selbständigkeit he-
        

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