Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226432
Die 
phönikische 
Kunst. 
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bei B befestigten Vorhang begrenzt wurde, während vorn unter 
dem andern Steinrand sich wohl eine Säulenstellung befand. 
A111 Boden der Cella sind rechts und links Bänke angebracht 
(Fig. 5 u. 6), die, wie die Zeichnung des Durchschnittes erkennen 
läfst, nach hinten zu aufsteigen. Ihre Bestimmung ist nicht 
klar. An der Decke ist der abschliefsende Stein mäfsig aus- 
gehöhlt (vgl. Taf. 5, Fig. 7), aufsen ist er auf allen vier Seiten 
von einem Rundstab und einer Hohlkehle mit darüber vor- 
Springender Platte umzogen. Dieser einfache Schmuck (vgl. 
Taf. 1, Fig. 6) und die Gröfse der verwendeten Steinblöcke 
sind für diesen Bau, der natürlich nicht der einzige seiner 
Art gewesen ist, charakteristisch und erinnern lebhaft an 
Agypten. Freilich hinter der Grofsartigkeit der ägyptischen 
Tempelanlage ist man hier weit zurückgeblieben, man hat fast 
nur das Allerheiligste  1, Fig. 3 F) Ilaehgeblldet; dnen 
scheint es, dafs es in Sidon und Tyrus und auf einigen Inseln 
auch Tempel von grofser Ausdehnung gegeben hat, Von denen 
aber nur wenig erhalten ist.   
Phönikien war ein an schönem Bruchstein reiches Land, 
und man hatte die Sitte, unmittelbar auf dem lebendigen Felsen 
seine Bauwerke zu errichten. Hieraus erklärt es sich wohl, dafs 
man gern gewaltige Steinblöcke verwandte, die ohne Cement fest- 
legen und sich von dem Aussehen des Felsen nicht Stark unter- 
schieden. Gefördert wurde diese Vorliebe für große Steine 
durch den Umstand, dafs das Material sehr leiCht Zu bear- 
beiten war; hat man doch in den lebendigen Felsen aüSge- 
dehnte Gräberanlagen ausgehöhlt. Von diesen N ekropolen, 
die von ferner Zeit künden, ist noch viel erhalten; von 
oberirdischen Bauwerken, auch aus späterer Zeit, haben die 
zahlreichen Verwüstungen und Durchzüge nur wenig übrig 
gelassen. Doch können wir wahrnehmen, dafs die Phöniker 
allmählich auch den Säulenbau von benäenbaften Völkern 
übernahmen. In der Form der Saulen war man nieht wähle- 
risch; man bildete die verschiedensten Arten nach, nur waren 
die Schäfte in der Regel glatt. 
Eines der wunderlichsten Kßpitelle: das aus CYPeIn 
Stammt, ist Taf. 5 Fig. 8 vorgeführt.  Der Schaft endigt in 
einer horizontalen Linie, auf der SlCh mehrere parallele 
Schenkelpaare erheben, welche ein auch sonst häufig vor- 
kommendes Zierglied, Sonnenscheibe mit darüber schweben- 
dem Halbmond, umfassen. Von den Schenkeln gehen seitwärts 
ab zwei sich einringelnde Glieder, sogenannte Voluten. Aus 
diesen heraus entwickeln sich nach oben, aber diesmal ein- 
wärts eingeringelt, ein paar andere Voluten, denen innen ein 
drittes Paar, die sich in der Mitte vereinigen, parallel läuft.
        

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