Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226342
Hierher gehört Taf. 5, Fig. 4, ein Stück eines gröfsern Re- 
liefs, dessen Inhalt ein Fest des Assurbanipal bildet, welches 
dieser im Garten seines Harems nach Besiegung eines Feindes 
begeht. Auf dem hier nicht sichtbaren Stücke erblickt man 
verschiedene Bäume mit sitzenden und Hatternden Vögeln; an 
einem aber hängt das Haupt des besiegten Feindes. Rechts 
davon liegt auf hohem, von Weinlaub umranktem Rühebett 
des Königs Majestät, während ihm gegenüber auf dem Throne 
die Königin sitzt. Beide führen Trinkschalen zum Munde. 
Rechts und links stehen Diener mit Fliegenwedeln. Diese Platte 
ist, von den Köpfen abgesehen, besonders gut erhalten und 
zeigt, mit welcher Sorgfalt und Fertigkeit jener Künstler ar- 
beitete. Man erkennt das Gewebe der königlichen Gewandung, 
den Stoff der aus Bronze und Elfenbein gefertigten Möbel. 
Schon aus den wenigen von uns betrachteten Werken 
assyrischer Plastik läfst sich ihr Charakter erkennen: dies Volk 
hat einen empfänglichen Sinn für die Natur, wie besonders die 
Tierbilder unwiderleglich beweisen; es kann genau wahrnehmen 
und das Gesehene gut nachahmen, soweit es sich nicht an her- 
kömmliche Formen bindet. Dies letztere ist aber vielfach der 
Fall und raubt der assyrischen Kunst den Reiz der Ursprünglich- 
keit und der freien Entwickelung. Von den chaldäischen Vor- 
bildern hat sich der Assyrer nicht recht los zu machen gewufst, 
und die dort im Keime vorhandenen Fehler sind, wie z. B. 
die grobe Behandlung der Muskeln zeigt, hier noch ausgeartet. 
Aufserdem leiden die Kunstwerke der Assyrer an grofser Ein- 
förmigkeit; hat man doch fast nie Frauen gebildet, während 
man unermüdlich ist jagdzüge darzustellen. Zur höchsten 
Kunstleistung haben sie es in der Plastik auch deshalb nicht 
gebracht, weil sie dieselbe wenig oder gar nicht als selbstän- 
dige Kunst betrieben, sondern sie fast ausschliefslich in den 
Dienst der Architektur gestellt haben. 
Über die Architektur läfst sich ein abschliefsendes Urteil 
noch nicht fällen, da abgesehen von dem Stufentempel nur 
Königspaläste und von diesen nur das unterste Stockwerk ge- 
funden worden ist. So viel läfst sich erkennen: die Haupt- 
grundform der Gebäude war das Rechteck; der Grundrifs 
aber des Ganzen ist nicht einheitlich, sondern es wurde, um 
eine Wirkung durch Massenhaftigkeit zu erreichen, dieselbe 
Einheit, der Hof mit anschliefsenden Gemächern, beliebig oft 
wiederholt. Auf Höhe verzichtete man. Die Aufsenseite der 
Bauten war einförrnig. Auf gröfsere Mannigfaltigkeit in der 
architektonischen Behandlung des Innern läfst sich schliefsen, 
weil man nicht nur das Gewölbe, wenn auch in bescheidenem 
Mafse anwandte, sondern auch den Säulenbau kannte. Es
        

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