Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226330
Unten sehen wir Steine aus der Mauer stürzen, Oben bitten 
Schon einige mit vorgehaltenen Händen um Gnade. Unmittel- 
bar hinter deni vorgeschobenen Turm naht der König selbst 
mit seinem Kriegsgefolge. Er schiefst einen Pfeil von dem 
mächtigen Bogen ab, während neben ihm ein Watfenträger 
Zugleich den Schild zur Deckung erhebt und den Spiefs be- 
reit hält, falls der König die Waffen wechseln will. Ein andrer 
mit Schild bewaffneter Krieger hinter beiden reicht dem König 
bereits einen neuen Pfeil, und noch weiter zurück steht ein dritter 
Gefolgsmann mit dem Köcher des Königs, dem er eben einen 
Pfeil entnommen hat, um ihn auf die Schärfe zu prüfen. 
Kriegerischen Inhalt haben auch die Erz streifen mit ge- 
triebener Arbeit, welche das Thor eines Palastes zu Balawat 
zierten. Sie sind, wie Taf. 5, Fig. 3 zeigt, durch schmale, 
mit Rosetten besetzte Bänder geteilt und von ähnlichen 
Bändern oben und unten umgeben. Die obere Hälfte des 
Bildes zeigt einen wellenschlagenden Strom, in dem Kriegs- 
Wagen dahinziehen. Vor jedem Paar Pferde schreitet ein 
Führer. Die untere Hälfte veranschaulicht eine Huldigungs- 
scene. Rechts steht der Herrscher im königlichen Prachtge- 
wande, hinter ihm hält ein Diener den Schirm. Ein andrer 
Diener leitet Gefangene herzu, denen Bogenschützen folgen. 
Der vorderste der Gefangenen wirft sich vor dem Könige 
völlig auf die Brust nieder (Proskynesis), die folgenden knieen. 
Die letzten erscheinen mit der bekannten Haltung der Arme 
und Hände. Ähnlich sind die übrigen Scenen, die an dieser 
Thüreinfassung angebracht sind. Alle Einzelheiten sind dem- 
selben Hauptgedanken untergeordnet, so dafs sich in dieser 
Arbeit kein geringes künstlerisches Können offenbart. 
Von den Bildern, welche sich auf die Jagd beziehen, sind 
am grofsartigsten die, welche Löwenjagden darstellen. Die 
sterbende Löwin (Taf. 4, Fig. 10) zeigt uns, mit welcher Wahr- 
heit die Künstler die Natur wiederzugeben Wllfsten- Drei Pfeile 
haben das edle Tier getroffen, schon ist es zusammengesunken. 
Aber Schmerz und Wut jagen es noch einmal empor. DieHinter- 
beine versagen, nur auf den Vordertatzen kann es sich noch 
aufrichten. Mit lautem Gebrüll schleppt es sich nach vorwärts, 
um mit seiner letzten Kraft dem Gegner Trotz zu bieten, 
Aber auch friedliche Beschäftigtlngen des Herrschers ver- 
anschaulichen uns die zahlreichen Reliefs, sei es, dafs er Bauten 
ausführen läfst, sei es, dafs er der Ruhe pilegt. Dabei Sind 
alle Arten Geräte, alle Nebenumstände der Handlungen mit 
gröfster Sorgfalt vorgeführt, so dafs wir durch diese Bild- 
Werke die genaueste Belehrung über assyrische Sitten und 
Bräuche erhalten.
        

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