Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226218
Die ägyptische Kunst. 
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Pfeiler angelehnt. Die Gesichter haben, so verschiedene Personen 
die Statuen auch vorstellen sollen, ebensowenig einen individu- 
ellen Ausdruck wie die oben besprochenen Kolossalgestalten, 
auch ihre Haltung ist völlig gleich. Die Beine sind eng an- 
einander geschlossen, die gekreuzten Hände sind auf ein 
lattenartiges Gerät gestützt, das vielleicht den Nilmesser dar- 
stellt, und halten einen Krummstab und eine Geifsel, die bei 
den ägyptischen Königen oft die Stelle des Scepters vertreten; 
das Haupt trägt eine hohe Krone, am Kinn findet sich der 
künstliche Bart; oberhalb schwebt die geflügelte Sonnen- 
scheibe. ' 
Porträtstatue des Chephren. Von solchen mehr der 
Architektur _als Ornament dienenden Werken der Skulptur 
unterscheiden sich wesentlich diejenigen, welChe Wirklich ein- 
zelne Persönlichkeiten darstellen. Es scheint, dafs man aus 
religiösen Gründen sehr früh darauf verfallen ist, Porträtstatuen 
Zu bilden 3). Soviel man nämlich auch Mühe aUfWS-ndte, 11111 
die Leiber der Verstorbenen zu erhalten, auf dafs diese CiIICS 
ewigen Lebens teilhaftig werden könnten, so lag doch immer 
die Möglichkeit vor, dafs eine Mumie dem Untergang verfiel 
oder von böswilliger Hand zerstört wurde. Um der daraus 
für den Verstorbenen entspringenden Gefahr zu begegnen, 
machte man von ihm Bilder, die seine Persönlichkeit genau 
Wiedergaben und als Ersatz für die Mumie dienen konnten, 
Diese verbarg man, um jedes Unheil abzuwenden, 111 Iltöglwhst 
grofser Anzahl in festummauerten, unzugängilßhen Tellell des 
Grabes. Auf Schönheit der Form kam es dabei niCht an, 
sondern nur darauf, dafs alles genau wiedergegeben wurde, 
wie es in Wirklichkeit gewesen war; sonst fand der Schatten 
in diefem Bilde nicht den ihm angemessenen Träger seines 
Daseins vor. Zu dieser Gattung Bilder, die grofsenteils aus 
sehr früher Zeit stammen, gehören die sieben Porträtstatuen des 
Königs Chephren, welche im Jahre 1860 aus einem Brunnen 
in der Nähe der Pyramide des Chephren heraufgfihßit Wurden; 
Taf. 3, Fig. 6 ist eine derselben abgebildet. Hier finden sich 
im Kopfe einige individuelle Züge, trotz des außerordentlich 
harten Materials (Diorit) deutlich ausgeprägt- DaS breite, aber 
scharf geschnittene Gesicht bekundet ernste Strenge und starkes 
Bewufstsein der Herrschermacht. Der Körper freilich zeigt 
fast dieselbe Gebundenheit wie gewöhnlich. Mit einer gewissen 
Steifheit sitzt der König auf seinem Throne. Er ist, wie ge- 
Wöhnlich, unbekleidet bis auf einen fein gestreiften Schurz um 
die Lenden mit einem Mittelstücke vorn, und eine Haube auf 
dem Kopfe, welche Stirn, Oberkopf und Nacken verdeckt und 
vorn mit zwei Zipfeln auf die Schultern herabfällt. Am Kinn 
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