Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226207
die zwar nicht gleich gut erhalten sind, aber zur Genüge er- 
kennen lassen, dafs sie viermal genau dasselbe Bild wieder- 
geben. In feierlicher Ruhe thronen sie, die Arme sind auf die 
Kniee gelegt, der Blick starrt ausdruckslos in die Ferne. Aber 
die Verhältnisse der einzelnen Körperteile sind trotz der rie- 
sigen Vergrösserung  wie auch bei dein grofsen Sphinx  
durchaus korrekt. jedoch  und das ist sehr charakteristisch 
für die ägyptische Skulptur  wie dieser Ramses sehen alle 
Kolosse aus, die sich mehrfach vor Tempelfagaden finden, so 
auch die berühmte Memnonsäule, die den König Amenophis 
III. darstellt. Dafs es hier Ramses sein soll, wird blofs durch 
die Inschriften bekundet. 
Hinter dem Eingange zu dem Felsentempel finden sich 
annähernd dieselben Räume, wie beim oberirdischen Tempel, 
nur mehr zusammengedrängt. Einen Einblick gewährt uns 
Taf. 3, Fig. 5, welche den Grundrifs und den Längendurch- 
schnitt der gröfsten unter allen Felsgrotten, der von Gir- 
sche oder Gherf Hussain in Nubien zeigt. Hier war dem 
Felsentempel, wie es auch die Zeichnung erkennen läfst, ein 
Teil frei vorgebaut. Eine Allee führt über eine Treppe zwischen 
Sphinxen hin zu dem Pylon, vor dem vier Kolosse thronen. 
Der Hof hat zu beiden Seiten fchmale Hallen, und vor diesen 
je fünf quadratische Pfeiler, an deren Vorderseite sich je eine 
5,50 m hohe, stehende Bildsäule aus Sandstein befindet. Dem 
Pylon gegenüber führt eine Treppe nach dem Säulensaal, 
dessen Decke von sechs kolossalen viereckigen Pfeilern in 
der Mitte und je drei kleineren an den beiden Seiten getra- 
gen wird. Diese Pfeiler sind samt den an der Vorderseite 
der sechs mittleren befindlichen, 7 m hohen Bildsäulen bei 
der Aushöhlung vom natürlichen Felsen übrig gelassen worden. 
Durch den folgenden Durchgang gelangt man in einen 
unterirdischen Saal, von dem aus rechts und links schmale 
Gänge in kleinere Gemächer führen. An der Rückwand sind 
die Eingänge zu drei anderen Räumen, deren mittelster das 
Allerheiligste ist. Hier steht ein Altar, und an der Hinterwand 
sitzen vier riesige Götterfiguren, die aus dem natürlichen Ge- 
stein in hohem Relief ausgemeifselt sind. 
Pfeiler mit Statue, wie sich sechs im Säulensaal von 
Girsche finden, stellt Taf. 2, Fig. 12 in vergröfsertem Mafs- 
stabe vor. Man nennt sie Osirispfeiler; denn Sie Stellen den 
königlichen Stifter des Baudenkmales, dessen Name jedesmal 
in Hieroglyphen beigesetzt ist, mit den äufseren Abzeichen 
des Osiris dar. Die Statuen sind zwar mit den Pfeilern in 
der Regel aus denselben Stücken gearbeitet, dienen aber durch- 
aus nicht als Träger, sondern sind so zu sagen blofs an die
        

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