Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226172
Kap 
Kunst. 
Die ägyptische 
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fahrt und Handel, Rechtspüege und militärische Exercitien 
sind in deutlichster Weise veranschaulicht. Hoffte man doch, 
dal's den Abgeschiedenen durch diesen Abglanz des wirklichen 
Lebens ihr schattenhaftes Dasein verschönert werde. 
Anderer Natur nach Inhalt und Darstellungsweise ist das 
folgende Bild (Taf. 2, Fig. 11), das aus Theben stammt. Wir 
erblicken eine Menschengestalt zwischen zwei Göttern, angeb- 
lich Ramses III. zwischen Thot (Taati) und Horus. Es 
ist also ein Bild religiösen Inhaltes und unterscheidet sich 
von den bisher besprochenen, die ihren Stoff den kriegerischen 
und friedlichen Thaten der Könige entnahmen, durch gröfsere 
Ruhe. Rein mythologische Vorgänge scheinen nie Gegenstand 
der Bildnerei gewesen zu sein, wohl aber erscheinen die Götter 
oft, wie hier, eingreifend in das Leben der Fürsten, Thot und 
Horus erteilen dem zwischen ihnen stehenden Könige eine 
Weihe, indem sie aus Kannen Kraft und Leben über ihn aus- 
giefsen. T hot führt zwischen den breiten Schultern den dünnen 
Hals und Kopf des Ibis mit der Haube, über Slßh die Mond- 
Scheibe, Horus trägt hier auf dem Sperberkopf die Doppel- 
krone ohne Uraeusschlange. Die je auf einen Erhöhung 
stehenden Götter sind bekleidet, der König scheint bis auf 
den Schurz nackt, trägt aber einen durchsichtigen Rock, 
Kalasiris, wie er vielfach von Frauen und hochgestellten 
Männern getragen wurde, der durch zwei Linien leicht ange- 
deutet ist. Unter den Füssen hat er seines hohen Standes 
wegen Sohlen. Der Bart, der in Ägypten dem Scherniesser 
verfällt, ist der Gewohnheit gemäfs ersetzt durch einen künst- 
lichen Bart; das Haupthaar ist, wie auch bei den übrigen 
menschlichen Figuren, aus Reinlichkeitsrücksichten bis auf 
die Haut wegrasiert und der Kopf durch eine Haube (oft 
auch eine Perücke) geschützt. Uber seinem Haupte schwebt 
die Sonnenscheibe mit der Schlange. Die leeren Räume 
sind, wie oft, gefüllt mit Hieroglyphen, die in unendlichen 
Massen an allen Flächen wiederkehren und Zumeist Lob- 
Sprüche auf Fürsten oder Weiheformeln enthalten. 
Teilweise geben die Hieroglyphen aber auch die nähere 
Beschreibung des bildlich dargestellten Ereignisses, wie bei 
Tat. 3, Fig. 1: König Ramses II. mit seinen Söhnen 
erobert eine Bergfestung. Hier sehen wir in derMitte 
den König auf seinem Streitwagen, der von zwei feurig an- 
stürmenden Rossen gezogen wird. Die edel gebildeten Tiere 
tragen allerlei Zierat, wie auch der Wagen prächtig ge- 
schmückt ist. An der linken Seite kreuzen sich Bogentasche 
und Köcher. Der König trägt nicht eine Krone, sondern 
den Schlachthelm. Er hat eben mit der Linken den grofsen
        

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