Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1226122
ebenso wie der walzenartige Schaft mit Hieroglyphenschrift 
und Bildwerken bedeckt sind.  
Beliebter wurde die andere Art Kapitell, das glocken- 
förmige, welches eine geöffnete Blume nachahmt; auch der 
Blätterkranz am unteren Schaftende, der übrigens ebenso bei 
den eben besprochenen Säulen vorkommt, weist auf Natur- 
nachahmung hin (vgl. Taf. 2, Fig. 4). Der Schaft sitzt 
teils, wie hier, rechtwinklig auf der runden Basis auf (vgl. 
auch Amuntempel Taf. 1, Fig. 9), teils ist er unten etwas 
eingezogen (Taf. 2, Fig. 5). 
Aber auch andere Pilanzenformen benutzte man als Vor- 
bild, wie der Tempel zu Edfu (Taf. 1, Fig. 5) zeigt, wo 
Kapitelle verschiedener Bildung symmetrisch miteinander ab- 
wechseln. Späterer Zeit erst gehören Kapitelle an, wie wir 
sie in Denderah finden (s. Taf. 2, Fig_ 6), welche aus vier 
Menschenköpfen mit herabfallendem breiten Kopftuche und 
einem Würfel darüber bestehen, der auf allen vier Seiten die 
Fagade eines Tempels zeigt. Man nennt diese Köpfe nach 
der Göttin Hat-Har, deren Bild sie darstellen sollen, gewöhn- 
lich Hathorköpfe. 
Altertümlich dagegen ist eine Säulenforrn, welche sich 
nur im Innern von Felsengräbern findet, z. B. in einem Grabe 
zu Beni-Hassan (s. Taf. 2, Fig. 7). Sie ist sechzehnkantig; 
die einzelnen Seiten sind gefurcht (kanelliert) und das liapitell 
vertritt ein blofser quadratischer Stein. Wegen der Ahnlich- 
keit mit der in der griechischen Kunst zu besprechenden 
dorischen Säule, der sie nach der Ansicht einiger Kunst- 
forscher. als Vorbild gedient haben soll, nennt man sie die 
protodorische. 
Bemalung der Gebäude. Die Schäfte bestehen bei 
allen Säulen aus mehreren aufeinander gesetzten Teilen 
(Trommeln); dies tritt aber nicht zu Tage, weil bei den meisten 
Säulen, ebensowohl wie bei den Mauern, aufser bei edlem 
Gestein, wie Basalt und Granit, niemals die natürliche Farbe 
des Materials belassen ist: alles ist bunt, jede Fläche ist mit 
Bildwerk oder wenigstens mit Hieroglyphen bedeckt, so dafs 
die Fugen des Baumateriales unsichtbar sind. BCtraChtCH Wir 
die Vorderansicht des Tempels zu. Edfu. (Taf. 1, Fig- 4-) 
Die beiden Türme sind, abgesehen von einem sehr einfach 
behandelten Sockel, in fünf horizontale Streifen geteilt, die 
nach oben hin schmaler Werden. Der unterste, auffallend 
breite Streifen trägt auf beiden Seiten in zwei sich umge- 
kehrt entsprechenden Hälften denselben BilderSChmUCk. Rechts 
und links von der Thür, durch Masten von einander getrennt, 
stehen je zwei weibliche Figuren, welche auf dem Haupte
        

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