Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1228269
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III. 
Die Kunst bei 
den 
Römern. 
Stellung der Gestirne am Himmelsglobus zu lesen scheint. 
In vollkommenem Gegensatz hierzu steht die andere Hälfte 
des Bildes (Fig. 7 rechts). Das unlängst erst geschaffene 
Menschenkind liegt tot am Boden; Eros steht trauernd neben 
dem Leichnam und stützt auf ihn die umgestürzte Fackel, an 
welcher der Schmetterling, die unsterbliche Seele, emporsteigt. 
Hinter ihm steht das in Schleier gehüllte Schattenbild des Toten, 
das Eidolon; denn nach dem Tode scheiden sich Eidolon und 
Psyche 34). Dieses wendet der Belebung des Menschen mit so in- 
niger Teilnahme das Haupt zu, als ob es vorauswisse, welch eine 
kurze Spanne Zeit ihm zu leben bestimmt sei. Uber ihm fährt 
Selene, die Göttin des Mondes, dahin, welche das Ende von 
Tag und Leben andeutet. Zu Häupten aber des toten Knaben 
sitzt eine kleine, langgelockte weibliche Figur, die dritte der 
Moiren, Atropos 34). Sie hält eine halbgeölfnete Rolle in der 
Hand, aus der sie das Schicksal verliest. Die trauernde Psyche 
aber, welche daneben als geflügeltes Mädchen erscheint (rechts 
oben), wird von Hermes, dem Psychopompos, nach der Unter- 
welt geleitet. Zwischen dieser Scene und der umrahmenden 
Prometheusscene sitzt auch hier die Tellus, deren Füllhorn 
ein Knabe (rechts unten) unterstützt. Wir sehen, dafs die im 
Christentum weiter ausgebildeten Ideen von Sündenschuld, Er- 
lösung, Unsterblichkeit hier durch heidnische Symbole darge- 
stellt sind. Sollten aber, wie man meint, die von uns noch 
nicht erwähnten Figuren auf der linken Seite Adam und Eva, 
die letzte Figur rechts den zum Himmel entrückten Elias be- 
deuten, so würden wir die römische Kunst hier in innigster 
Beziehung zu dem nahenden Mittelalter sehen, dessen Kunst 
von christlichen Ideen beherrscht ist. Doch sollte es lange 
währen, ehe diese neuen Keime sich zu einer Blüte entwickel- 
ten. Die noch übrigen Zeiten des römischen Kaisertums zeigen 
vielmehr ein allmähliches, greisenhaftes Dahin siechen der Kunst 
wie der höheren Kultur überhaupt, wenngleich das Gebiet, wo 
diese Kultur herrschte, sich mehr und mehr erweiterte. Es er- 
geht der antiken Kunst wie einem mächtigen Flusse, der nach 
langem, vielverschlungenem Laufe "in der Ebene anlangt, SiCh 
weiter und weiter in trägem Laufe verbreitet, bis er endlich, 
in viele Adern geteilt, kaum noch mühsam sich fortschleppt. 
Rückblick. Blicken wir zurück auf die Leistungen der 
Römer in der Kunst, so erfüllen uns ihre Schöpfungen auf 
dem Gebiete derArchitektur mit höchster Bewunderung. Mag 
den Griechen der Ruhm bleiben, dafs ihr Tempelhaus ge- 
wissermafsen aus der Idee herausgewachsen ist, und also Form 
und Inhalt die gröfste Übereinstimmung zeigen, so haben die 
Römer das Verdienst, für die fortwährend neuen Bedürfnisse
        

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