Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1228201
218 
III. 
bei 
Die Kunst 
den 
Körnern. 
einander hätten verbunden werden können, so liefs man das 
Gebälk über der Wand hinlaufen, an den Stellen aber, wo 
freistehende Säulen vor derselben angebracht sind, beünden 
sich in der Wand Pilaster, über denen das Gebälk nicht nur hin- 
läuft, sondern von denen es auch in seiner ganzen Höhe und in 
der Breite der Säule vorspringt auf das Kapitell der Säule, 
S0 dafs also ein würfelartiges Gebälkstück entsteht; die dar- 
über befindlichen Gebäudeteile machen an der entsprechenden 
Stelle denselben Vorsprung. Man nennt das Verkröpfung. 
Diese findet sich am Konstantinsbogen. Das Gebälk desselben 
zeigt ein aufserordentlich reiches, von Konsolen (s. S. 191) 
getragenes Gesims, über dem sich die mächtige Attika erhebt. 
Dieselbe ist durch senkrechte, vorstehende Streifen (Lisenen 
gegliedert, die sich über den Stellen der Verkröpfung befinden 
und vor sich freistehende Figuren haben. Die Zwickel neben 
den Thoröffnungen, die Felder über den kleinen Thoren so- 
wohl unten wie in der Attika sind reich mit Reliefs, mehr- 
fach in Medaillonform, verziert, die grofsenteils einem damals 
zerstörten Bogen des Trajan entnommen sind. 
Porta nigra in Trier. (Taf. 30, Fig.  Dieses Bau- 
werk läfst zwar keinen Fortschritt in der Architektur erkennen, 
ist aber für uns interessant, einmal, weil es eines der hervor- 
ragendsten Denkmäler römischer Baukunst auf deutschem 
Boden ist, dann, weil es gewissermafsen eine Probe des römi- 
schen Befestigungsbaus ist. Das ganze, 36 m lange, in der 
Mitte I6 m tiefe Gebäude ist aus ungeheueren graurötlichen 
Sandsteinblöcken ohne Mörtel, blofs mit eisernen Klammern, 
zusammengefügt. Es besteht aus einem dreistöckigen Mittel- 
bau und zwei turmartigen, vierstöckigen Seitenteilen, die etwas 
vorspringen. Das oberste Stockwerk des einen ist ver- 
schwunden. Das unterste Geschofs des Mittelbaues bilden 
zwei mächtige, 7 rn hohe gewölbte Thore; die Türme haben 
unten nach vorn keine Offnung. Die übrigen Stockwerke zeigen 
in der Mitte je sechs gewölbte Fenster, die Türme in der 
Vorderansicht je fünf. Vor diesen von Gewölben getragenen 
Bau ist ein Netzwerk von einfachen, derben Halbsäulen ge- 
stellt, welche äufserlich Thore und Fenster trennen und be- 
grenzen und auch im ersten Stockwerke der Türme, das der 
Olfnungen entbehrt, sich unter den entsprechenden Halbsäulen 
des Oberbaues befinden. Eigentümlich ist, dafs in dem über 
den ThOIWeg hinlaufenden Gebälk, Welches doch im wesent- 
lichen aus horizontalen Balken gebildet sein sollte, ganz offen 
die Fugen des Gewölbebaues zu Tage treten. Wann 
dies Thor erbaut worden ist, steht nicht ganz fest, wieder 
völlig blofsgelegt wurde es im ]ahre 1876.
        

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