Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die antike Kunst
Person:
Menge, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1225504
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1228183
Jüngling ist herangeschritten und macht durch Ausdruck, 
Haltung und Bewegung der Glieder (die Arme sind allerdings 
ergänzt) den Eindruck, als ob er schwermutsvoll nach unten 
blicke, vielleicht dem Wellengrabe entgegen, in das er aus 
Liebe und Ergebenheit sich stürzen will. Der Körper zeigt 
wohlgebildete, kräftige Formen, die Brust ist männlich breit. 
Der Kopf ist edel; die Augen liegen tief und sind schmal 
geöffnet, der Mund ist fest geschlossen, das krause Haar be- 
deckt einen Teil der Stirne. Diese Statue stammt aus der 
Villa des Hadrian bei Tibur. Hadrian, der wie kein römi- 
scher Herrscher die Künstler zur Nachahmung griechischer 
Vorbilder anregte, hatte, nachdem er alle seine Provinzen, fort- 
während von Architekten, Malern und Bildhauern begleitet, 
grofsenteils zu Fufs bereist hatte, sich bei Tibur eine Welt 
im Kleinen herrichten lassen, welche die bedeutendsten Bau- 
werke und Skulpturen, besonders Agyptens und Griechenlands, 
in Nachahmungen enthielt. Unter seinem Einflufs schien die 
Kunst neues Leben gewinnen zu wollen, aber es war nur eine 
Treibhausblüte ohne innere Kraft, die bald erstarb. 
Pallas Giustiniani. (Taf. 31, Fig. 2.) Nicht sicher 
ist die Entstehungszeit der folgenden Statue, die man meist 
der ersten Kaiserzeit zuschreibt. Sie ist eine Pallas, die nach 
der Familie, in deren Besitz sie früher war, den Beinamen 
Giustiniani führt. Sie ist eine der herrlichsten Darstellungen 
der Athene, deren Vorbild jedenfalls in der griechischen Blüte- 
zeit zu suchen ist. Sie ist nicht aufgefafst als die kriegerische 
Göttin, die zum Ansturm oder zur Abwehr bereit ist; sie ist 
auch nicht mehr die Lokalgöttin Athens, sondern sie ist die 
Weltgöttin der Klugheit, Weisheit, Selbstbeherrschung, welche 
die Waffen nur noch als Schmuck trägt, gleichsam wie zur 
Erinnerung an die frühere Zeit des Kampfes. Ihr regelmäfsig 
schönes Antlitz von länglicher Form und griechischem Protil 
trägt den Stempel überirdischer Weisheit, neigt sich aber voll 
göttlicher Milde Vertrauen erregend den Sterblichen zu. Ihr 
Haupt ist von dem hohen korinthischen Helm bedeckt, dessen 
Visier, nach oben geschoben, den Kopf noch länger erscheinen 
läfst, Den Helm krönt nach Pheidias' Vorgange ein Sphinx, 
das Sinnbild der Weisheit, während rechts und links an dem 
untern Vorderteil desselben (über der Stirne) zwei Widder- 
köpfe angebracht sind, vermutlich als Symbol ihrer kriege- 
IISChCII Thätigkeit. Ihr Gewand ist ein feiner Doppelchiton 
mit der Agis vor der Brust und ein über die linke Schulter 
geschlagener Mantel von gröberem StoHe, dessen grofsartiger 
Faltenwurf den feineren des Chiton teilweise überschneidet. 
Die schwerere Masse der Gewandung nndet sich am linken 

        

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